Alexa
– Endlich ist sie da!
von
Alexandra Boisen
Hallo
Alexa,
Du
hast Dich lange verstecken müssen. Zu lange. Das tut mir sehr leid.
Nun bist Du aber da. Darüber freue ich mich sehr.
Glaube
mir, ich hätte Dich gerne früher raus gelassen. Ich konnte es
einfach nicht.
Ich
bin sehr froh, das ich es endlich geschafft habe, dich nicht mehr zu
verstecken.
Seit
dem bist Du Deinen Weg gegangen.
Ich
bin sehr stolz auf Dich
Auch,
das Du bis zum Ende durchgehalten hast, niemals aufgegeben hast.
Trotz aller Schwierigkeiten.
Du
bist dabei, dir ein eigenes Leben aufzubauen.
Du
hast bereits viel in Deinem Leben geändert, in Deinem Zuhause.
Du
machst ganz viele Dinge, die Du früher nicht gemacht hast.
Du
spielst auch wieder in einer Mannschaft. Mit Ihnen Handball.
Vielleicht sogar als erste Transfrau.
Dir
musste keiner sagen, was Du tun solltest. Dass hast Du alles von
alleine gewusst.
Es
war richtig, wie Du Deinen Weg gegangen bist.
Ich
bin stolz auf Dich
Ich
liebe Dich dafür
Du
hast dich Tag für Tag aus Deiner Depression gekämpft. Nimmst keine
Tabletten mehr.
Du
bist eine Kämpferin
Ich
bin so stolz auf Dich
Ich
liebe Dich
Deine
Alexa
Es
war eine dunkle und stürmische Nacht
Snoopy
Es
waren viele dunkle Nächte, die ich durchlebt habe. Ich bin die
Alexa. Schon immer. Auch wenn ich auf einen anderen Namen getauft
wurde. Auf einen männlichen. „Martin“. Wie meine Eltern darauf
wohl gekommen sind? Dabei bin ich doch schon immer „Alexa“ und
ein Mädchen. Nur weil da unten was „hängt“ heißt das doch noch
lange nicht das ich ein Junge bin.
Geboren
bin ich 1965 in Oberhausen / NRW. 1972 zog es meine Eltern zurück in
den Norden, wo sie aufgewachsen sind (Lübeck). Wir landeten in
Hamburg. Gleich in der Nähe war die Volksschule (2. - 5. Klasse).
Von meinem 7. bis zum 11. Lebensjahr. In dieser Zeit fällt meine
älteste Erinnerung, Das etwas anders ist. Das ich die falsche
Kleidung trug?? Wie gesagt, es war Anfang der 70er. Eine Zeit, kein
Vergleich zu heute, 2020. Kinder und Jugendliche haben es heute
definitiv leichter, sich zu informieren, über sich, ihren Körper,
Fragen zu stellen, die richtigen Personen für ihre Fragen zu finden.
Das war damals nicht der Fall. Und so hatte ich keine Ahnung, warum
ich immer wieder Mädchenkleidung anziehen wollte. In der Schule hab
ich mal heimlich die Jacken der Mädchen angezogen. Als ich draußen
war und alle anderen im Klassenzimmer. Entweder flog ich raus grins
oder ich musste einfach auf Toilette. Erst als ich eigenes Geld
verdiente (Ausbildung, Werbung austragen usw.) versuchte ich mir
eigene Mädchenkleidung zu besorgen. Unterwäsche und Strumpfhosen.
Rock bzw. Kleider, das traute ich mir erst viel später. Ich kann
mich noch erinnern, das durch meine Mutter, immer die neuesten Quelle
Kataloge rumlagen. Die habe ich immer angeschaut, Mich hat mehr
interessiert, was Mädchen/Frauen trugen als Jungen. Auch Magazine
wie Brigitte und Für Sie habe ich immer gelesen, wenn meine Mutter
sie gekauft hat. Magazine für „Männer“ haben mich nie
interessiert. Ich könnte nicht mal ein Fahrrad reparieren. Technik
war noch nie mein Ding. So gingen die Jahre hin, „Alexa“ hatte
nie richtig die Chance, rauszukommen, eins zu werden mit dem Körper.
Der andere Teil hat es immer verhindert. Weil er nicht wußte, was
da mit ihm geschah, was das war. Ich musste erst die 50
überschreiten, bis ich es zu lies. Bis ich wusste, was und wer ich
bin.
Zusätzlich
bin ich auch noch halbtaub auf die Welt gekommen. Mein linkes Ohr ist
sozusagen tot. Hörvermögen Null. 2 Dinge sind bei meiner Geburt
schiefgegangen. Körper und Hörvermögen.
Wer
weiß, wie alles gekommen wäre, hätte ich es weiter verdrängt, vor
allem, wenn ich auf meine EX gehört hätte, die gesagt hat,
Depression ist eine Erfindung, die gibt es gar nicht. Zum Glück habe
ich nicht auf sie gehört. Zum Glück habe ich auf „Alexa“ gehört
und sie machen lassen, als sie wieder raus nach „draußen“
wollte. Das erste Anzeichen dafür war das Wochenende im Mai 2013 in
Bad Segeberg. Konzert mit Peter Maffay. Meine EX und ich haben dort
in einem Hotel übernachtet und sind bis Sonntag geblieben. Samstag
und Sonntag spielte außerdem David Garrett am Kalkberg. Samstag war
dort Flohmarkt. Meine damalige Freundin und ich haben uns haben uns
die Stände angeschaut. Mir hatte es ein Stand mit Handtaschen
angetan. Eine davon in Pink. Und auf die hatte ich es abgesehen. Wäre
ich alleine dort gewesen, hätte ich sie wahrscheinlich gekauft. Der
Händler wollte sogar handeln und mit dem Preis runtergehen. Aber das
„andere ich“ war wieder stärker. Ich ließ es. Nicht mehr lange
nach diesem Wochenende ging es für mich in eine Tagesklinik.
Sommer
2013
Ich
bin gerade aus dem Krankenhaus zurück wo ich eine Woche war, wegen
meiner Schmerzen im Bein. Eine Woche wurde ich durchgecheckt und
nichts haben sie gefunden. Theoretisch bin ich also gesund.
Körperlich zu mindestens. Es ist Sommer, ziemlich heiß. Ich packe
meine Tasche aus und verteile die Sachen. Plötzlich, ich fasse mich
an den Kopf, ein Schmerz im Kopf, mein halber Kopf fühlt sich an als
wenn da was drüber gestülpt wird und jetzt drückt. „autsch“,
schreie ich. Ich gehe erst mal in die Hocke vor Schmerz. Was ist das
denn, frage ich mich. Es dauert ne Weile, dann lässt der Schmerz
nach aber der Druck im Kopf bleibt. Er wächst sogar an, ist jetzt
im ganzen Kopf zu spüren. Ich gehe in mein Schlafzimmer und lege
mich hin. Was kommt noch alles,? Denke ich. Ich war im Krankenhaus,
zur Reha, musste mich wochenlang pieksen lassen und keine Besserung.
Am nächsten Morgen melde ich mich mal wieder krank, zum Xten mal.
Aber solange ich nich weiß, was in meinem Kopf passiert, bleibe ich
lieber zu Hause. Aber was nun? Wohin? Wie soll es weitergehen?
Nächster
Tag
ich
räume auf und schaue einen Stapel Papier durch. Darunter auch
Unterlagen vom Rehazentrum als ich vor ein paar Monaten dort war. Ich
schaue sie mir an. Und dabei fällt mir was auf bzw. ein, was ich
anscheinend total vergessen und verdrängt habe!! Oh man! Dieser Test
den wir damals gemacht haben, bei dem ich ganz viele Punkte bekommen
habe, zu viele im Grunde und ein Gespräch mit der Therapeutin nach
sich zog. Und sie gab mir Adressen. Was hab ich damit gemacht?
Vergessen? Hat es nichts gebracht? Ich frage meine Freundin Paula
über Whats App. Aber sie weiß es auch nicht. Mist. Ich lege mich
auf mein Bett und versuche darüber nach zu denken. Irgendwas war da
in der Reha, in dieser Sitzung! Na wird mir schon wieder einfallen.
Um mich abzulenken, schreibe ich mit Paula über das Maffay-Konzert,
das wir in Bad Segeberg gesehen haben. Wir waren 2 Tage dort und
haben im gleichen Hotel wie Maffay übernachtet. Um kein Stress zu
haben. Wir sind mit der Bahn hingefahren und Sonntag Vormittag wieder
zurück.
Ich
schlafe mal wieder schlecht, wache früh auf. Mein Kopf brummt. Als
wenn ein Stahlhelm drüber liegt.
Paula
schreibt mir gerade, sie hätte für uns beide Karten für das
Scorpions Konzert in der O2 World gekauft. Hurra! Ich freue mich. Im
Mai nächsten Jahres wird es stattfinden. Aber leider können wir uns
am Wochenende nicht sehen, wegen ihrer Kinder. Mist! Was mache ich
nun?
Am
nächsten Morgen fällt mir ein, was ich vergessen hatte. Ich sollte
mir einen Termin bei einem Psychiater holen, Verdacht auf
Depressionen. Kein Wunder das ich das verdrängt habe. Aber erst mal
ist mein Kopf dran. Ich schaue im Telefonbuch, was es da für Ärzte
gibt und finde eine Neurologin, ganz in meiner Nähe. 2 U-Bahn
Stationen. Sie hat sogar Termine frei. Glück gehabt. Ich kann
nächste Woche schon hin. Bis dahin heißt es aber erst mal wieder
warten.
Das
Wochenende kriege ich einigermaßen rum. Montag morgen. Mein
Kopfdruck nervt mich so was von. Ich hätte gerne einen neuen Kopf.
Dienstag ist endlich der Tag. Bei der Neurologin. Ich fahre
rechtzeitig los, da ich nich genau weiß, wo die Praxis ist. Nach
einigen Suchen hab ich sie gefunden. Und wieder darf ich für bei der
Anmeldung einen Zettel ausfüllen mit meinen Daten. Und
Krankengeschichte. Dann darf ich zu der Ärztin rein. Sie ist nicht
gerade gesprächig. Fracht viel, verschreibt mir Venlafaxin und
erzählt mir, wie ich damit beginnen soll, die nächsten 2 Wochen.
Und eine Krankschreibung für die nächsten 4 Wochen bekomme ich auch
mit. Abends erzähle ich Paula davon. Sie ist nicht so begeistert.
Fragt mich was ich da will! Was schon!!! denke ich. Bin sauer auf
sie. Glaubt sie, ich bilde mir das ein, was in meinem Kopf ist? In
den nächsten Wochen gehe ich nun regelmäßig zur Neurologin, ein CT
von meinem Kopf wird auch gemacht. Befund? Alles soweit in Ordnung.
Mein Kopfdruck aber bleibt. Inzwischen habe ich gesehen, das im
gleichen Haus eine Tagesklinik ist. Ich informiere mich, was das ist
und finde heraus, das es Infotage gibt. Zu einem dieser gehe ich
hin, beschließe ich. Vielleicht hilft mir das ja weiter.
Kopfschütteln wieder bei Paula. Wir streiten deswegen und verärgert
mache ich das Telefon aus. Blöde Kuh, denke ich! Ich setze mich auf
meine Couch und mache den Fernseher an.. Gleich kommt Fußball. Ich
hole eine Flasche Cola aus dem Kühlschrank und lege eine Tüte Chips
auf den Tisch. Sitze auf der Couch und verfolge das Spiel.
Wie
so oft in den letzten Wochen bleibe ich heute zu Hause, gehe nicht
zur Reha, wo ich Mitglied bin, um meine Übungen für meinen Rücken
zu machen. Mir geht es nicht so gut, der Druck im Kopf macht mich
fertig. Ich liege im Bett, die Decke über meinem Kopf gezogen. Das
Radio läuft im Hintergrund ohne das ich wirklich mitbekomme, welches
Lied sie gerade spielen. Die nächsten Tage sind auch nicht besser.
Endlich ist der Tag gekommen. Ich suche diese Tagesklinik auf um mich
über einen Aufenthalt zu informieren. Außer mir sind nicht viele
anwesend. 2 ? Therapeuten und 4 Interessierte. Uns wird ne Menge
erzählt und die Räume der Tagesklinik gezeigt. Aber wirklich
entscheiden konnte ich mich nicht. Wenn man möchte, kann man sich
auf eine Warteliste setzen lassen. Ich fahre erst mal wieder nach
Hause. Die nächsten Tage sind nicht besser für mich. Besuche bei
der Neurologin bringen mich irgendwie nicht weiter. Deshalb
entschließe ich mich, in der Tagesklinik an zu rufen und mich auf
die Warteliste zu setzen. Ich soll mich jede Woche einmal melden um
so zu zeigen, das ich auch wirklich da hin möchte. Was ich dann auch
Woche für Woche immer gemacht habe. Irgendwann kam dann der Anruf,
mit der Mitteilung, wann es los geht. Ich sollte 10 Euro mitbringen,
ein Handtuch, Sportzeug usw. Ach ja und eine Überweisung. Ich machte
mich auf dem Weg zur Neurologin um diese zu holen. Dann hieß es
warten bis es endlich los geht. Ich wusste ja nicht was auf mich zu
kommt. Ich wußte im Grunde nicht viel über diese Krankheit. Heute
weiß ich mehr darüber. Das einzige, was ich wußte ist, das ich 6
Wochen jeden Tag dort hingehe. Und Montag, Mittwoch und Freitag
anschließend zum Rehasport. Und das sofort. Ich muss also meine
Sporttasche immer dabei haben an diesen Tagen.
Wir
haben Herbst, wenn ich da wieder rauskomme ist das Jahr rum.
Endlich
war der Tag da. Ich hatte mir am Vortag extra den Wecker gestellt,
damit ich nicht verschlafe. Ich gehe rechtzeitig los, damit ich nicht
zu spät komme. Zum Glück kommtg die U-Bahn pünktlich. Ich habe so
genug Zeit und bin rechtzeitig in der Tagesklinik. Am Empfang melde
ich mich und muss mich eintragen. Dann darf ich in den 4. Stock
fahren, wo sich die Tagesklinik befindet. Dort befinden sich viele
Patienten. Ich rief ein „guten morgen“ in die Runde und meldete
mich bei den Pflegern. Ich durfte Platz nehmen und erst mal warten.
Wieder musste ich was ausfüllen und sollte dann sagen, welche an
welchen Gruppen ich teilnehmen wollte. Tja, das war mein Problem.
Eigentlich am liebsten keine von denen. Malen konnte ich nich und
Ergotherapie bestand aus Handwerkliches, was auch nicht mein Fall
war. Und was anderes war nicht vorgesehen. Super Aussichten. Für
Mal- und handwerklich Unbegabte wie mich. Am ersten Tag war noch
keine Teilnahme vorgesehen und ich sass den ganzen Tag im
Gemeinschaftsraum. Die Mitpatienten waren auch nicht mein Fall. Der
Raum war proppenvoll und wehe man setzte sich auf einen Platz, der
schon besetzt war. Der folgende Dienstag war auch nicht besser. Man
durfte zwar später kommen, der Vormittag war für Behörden und
Arztbesuche vorgesehen und danach gab es so etwas wie eine Visite.
Mehr passierte nicht. Erst am Mittwoch ging es für mich los. Es fing
immer mit der Begrüßungsrunde an. Jeder sollte sich vorstellen und
sagen, wie es ihm ging. Im Prinzip haben viele 6 Wochen lang jeden
Morgen das gleiche erzählt. Da fragt man sich schon, warum sind die
da? Ändert sich rein gar nichts? Jede Woche kommen neue Patienten,
jeden Freitag verabschieden sich einige. Bedeutet, das alle paar
Wochen die Patientin ausgetauscht sind. Ich fing morgens immer mit
Sport an. Im Grunde Quatsch, weil ich es ja bereits im Rehazentrum
gemacht habe und ich dort viel besser angeleitet wurde als in der
Tagesklinik. Die Alternative war Progressives Muskel entspannen
(PME). Etwas, was ich in der Reha kennengelernt habe. Etwas, was bei
mir irgendwie nicht funktioniert hatte, vielleicht weil mir es keiner
beigebracht hatte, sondern es wurde einfach gemacht. Mittwochs gab es
Nachmittags immer Ausgang. Da wurden Ausflüge gemacht. Meistens nur
nach Billstedt oder Bergedorf. Also nicht allzu weit weg. Mit
Begleitung einer oder 2 Pfleger. Dienstages war sozusagen Ruhetag.
Wir konnten später kommen, um vorher Zeit zu haben für Arzttermine
oder Behördengänge. Nach dem Mittag gab es Visite. Mehr passierte
an diesen Tagen nicht. Ich wartete darauf, das ich dran kam.
Theoretisch hätte ich auch kurz vorher kommen können und am besten
hinter her gleich wieder nach Hause. Mein erster Aufenthalt wurde
verlängert und ich blieb bis kurz vor Weihnachten dort.
2014
Coming
Out
Tagesklinik
Vorname
gefunden
Beginn
des Alltagstestes
Begleitende
Ärztin
Das
2014 der Start in ein neues Leben war, wußte ich zu dem Zeitpunkt
noch nicht. Aber ich fing irgendwie neu an bzw. was zu ändern. Ich
war raus aus der Tagesklinik aber noch nicht wieder gesund. Ich
wollte langsam wieder anfangen zu arbeiten. Mit der
Wiedereingliederung. Mit meinem Arzt aus der Klinik hatte ich
zusammen einen Plan erstellt. Am Samstag war ich in der Innenstadt,
in den Geschäften stöbern. Darunter auch Deichmann. Außer Schuhe
haben sie auch andere Dinge wie z.B. Handtaschen. Und da machte es
plötzlich klick bei mir. Draw stand so eine Tasche, wie ich sie vor
ein paar Monaten in Bad Segeberg auf dem Flohmarkt gesehen habe. Auch
in Pink. Wieder zögerte ich ob ich sie kaufe oder nicht. Ich habe
sie aber aus dem Regal genommen, bin damit zur Kasse gegangen und
habe sie bezahlt. Und ab nach Hause mit ihr :). In den nächsten
Tagen nahm ich mir vor, meine Mitpatientinnen in der Tagesklinik zu
besuchen. Als es soweit ist, suche ich mir meinen Nagellack raus,
Pink und male meine beiden kleinen Finger damit an. Meine Wertsachen,
Schlüssel, Fahrkarte und Ebookreader packe ich in meine Handtasche.
Ich freue mich auf meine Mitpatientinnen. Wir wollen uns alle (6) ca
alle 4 Wochen reihum treffen. Reihum immer bei einer von uns zu
Hause. Mit der U-Bahn fahre ich nach Mümmelmannsberg und gehe zur
Tagesklinik. In 20 Minuten bin ich da. Ich steige in den Fahrstuhl
und fahre bis ganz nach oben (4. Stock). Ich suche Patricia und
Tanya. Im Aufenthaltsraum sind sie nicht. Ich gehe den Flur rauf und
schaue in die Räume. Nicht zu sehen. Ob sie auf Toilette sind? Da schaue ich jetzt aber nicht rein. Ich gehe weiter. Am Ende des
Flurs finde ich Patricia alleine in einem Raum, stehend vor einer
Stafette und beim Malen. Strahlend begrüßen wir uns. Umarmen uns
erst mal. Sie freut sich mich zu sehen. Staunend sieht sie meine
bemalten Finger und meine Handtasche an. Viel erklären muss ich
nicht. :) Ich gucke mir staunend ihr Bild an. Es gefällt mir sehr,
wohl wissend auch, das ich nicht so toll malen kann, wie andere.
Tanja finde ich nicht an diesem Tag. Nach kurzer Zeit muss ich mich
leider wieder von ihr verabschieden, die nächste Gruppe wartet auf
sie. Wir verabschieden uns, ich verlasse das Haus und begebe mich zur
U-Bahn. Zurück nach Hause. Angekommen, ziehe mich Jacke und Schuhe
aus, Ich lege mich auf mein Bett und mache die Augen zu. Bald darauf
schlafe ich ein. Stunden später wache ich auf. Fühle mich hungrig
aber mir fehlt die Lust, Motivation aufzustehen und mir was zum Essen
zu machen. Ich bleibe stattdessen liegen. Verkrieche mich unter der
Bettdecke. In ein paar Tagen geh ich wieder zur Arbeit. Der Gedanke
daran, macht mich nicht gerade froh. Ich zieh mir die Decke weit über
meinen Kopf. Am Freitag gehe ich wieder zur Tagesklinik zum Termin
mit meinem dortigen Arzt. Bevor ich auf die Suche nach einem anderen
gehe, mache ich lieber mit dem weiter. Bis dahin vertreibe ich mir
die Zeit, liege im Bett oder auf der Couch. Ich nehme meine
Sportsachen zum Termin mit und fahre anschließend direkt zum
Rehazentrum. Meine Reha Übungen machen und außerdem Wassergruppe um
14. Uhr. Darauf freue ich mich. Das macht mir am meisten Spaß. Ab
und zu gehe ich die ganze Woche zur Wassergruppe. Auch wenn es
irgendwann zu anstrengend wird und ich dann eine Pause einlegen muss.
Die Übungen tun meinem Rücken gut.
Anfang
Februar ist es soweit. Ich gehe wieder, in Einvernehmen mit meinem
Arzt, zur Arbeit. Wir haben einen Wiedereingliederungsplan
erarbeitet. Als ich am ersten Tag morgens den Raum betrete und zu
meinem Platz gehe ist es, als wenn ich nur mal so drei Tage weg war.
Niemanden interessiert es wie es mir geht, wie es mir ergangen ist.
Dabei wissen sie, warum ich gefehlt habe, wo ich war. Ich ging also
wieder Tag für Tag arbeiten, war froh, wenn die Arbeit zu Ende war
und ich nach Hause konnte oder ich fuhr direkt zur Rehaklinik zu den
Sportgruppen (Wasser und Gymnastik) und mache meine Übungen. Alle
paar Wochen gehe ich zu meinem Arzt (in der Tagesklinik). Wir
sprechen darüber, wie es mir geht, wie Kollegen sich verhalten usw.
Zur Arbeit trage ich unter meiner Kleidung eine Strumpfhose und einen
BH. Es kommt, wie es kommen muss, ich werde darauf angesprochen,
streite es erstmal ab. Beim zweiten Mal werde ich von der
stellvertretenden Gruppenleiterin angesprochen, wir gehen in einen
anderen Raum und reden über die ganze Sache. Ich rede über mich,
was gerade mit mir passiert. Dann geht es weiter mit der Arbeit. Tage
später möchte man wieder mit mir sprechen.
Dieses
mal lasse ich mich erweichen, überreden, vor versammelter
Kollegenschaft was zu sagen. Sollte man eigentlich nicht machen, ohne
vorher mit dem Betriebsrat zu reden, sich Hilfe zu holen. Aber davon
hatte ich damals keine Ahnung. Also stelle ich mich meinen
Kolleginnen und erzähle ihnen von mir.
Es
hilft alles nichts, ich muss zum zweiten Mal in die Tagesklinik. Mit
meinem Arzt verabrede ich, das ich als Frau in die Klinik gehe. Auch
wenn mir noch ein Vorname fehlt. Dasselbe Prozedere beginnt, ich
stehe auf der Warteliste und muss mich einmal in der Woche melden um
so zu zeigen, das ich noch Interesse daran habe einen Platz zu
erhalten. Dieses mal dauert es aber nicht ganz so lange, wie beim
ersten Mal.
Mai,
Die Rockgruppe Scorpions kommt nach Hamburg. Meine Freundin hatte
Karten für uns gekauft. Ich sehe sie das erste Mal live. Wir treffen
uns am Hauptbahnhof und fahren mit der S-Bahn bis Stellingen. Von
dort geht es mit dem Bus-Shuttle zur Halle. Mit vielen anderen Fans.
Der Einlass hat bereits begonnen, wir kommen zügig in die Halle.
Suchen und finden unsere Plätze. Das Konzert beginnt pünktlich. Die
Musik ist ziemlich laut und in meinem Kopf feiert der Kopfdruck von
Lied zu Lied eine größer werdende Party. Als Pause ist, gehe ich
nach draußen und bleibe dort bis zum Ende des Konzertes. Schade aber
ich konnte nicht mehr.
2015
Krankenhaus
Bandscheibe
Ich
ging jeden Monat zu Sitzungen zu Frau Dr. Lietz. Wir sprachen über
das was im Alltag geschah und auf der Arbeit. Von meiner
Sozialarbeiterin, Frau lang, bekam ich Kontakt zu arinet, die mir in
Gesprächen halfen, mit der Arbeit klar zu kommen. Es gab auch
eine große Runde mit mir. Fast jede Woche wurde ich von meiner
vorgesetzten zum Gespräch gebeten. Es war immer das gleiche. Meine
Kleidung. Angeblich zu kurz usw. Draußen war alles ok, drinnen alles
falsch. Das soll jemand verstehen.
Ich
war kurz davor, mich wieder in der Tagesklinik zu melden. Es kam
anders als ich dachte.
Kurze
Zeit später wurde ich aufgrund von Beschwerden im rücken wieder
krank. Wurde im ak st. Georg operiert. Bandscheibe. Es wurde was
heraus geholt Anschließend ging es wieder zur Reha. Ende des
Jahres war mein Alltagstest eigentlich zu ende. Ich hätte mit der
hrt beginnen können. Ging aber nicht. Weil Frau Doktor für 2 Monate
ausfiel.
2016
Beginn
der Hormone
Es
ging erst mal so weiter. Termine fielen aus. Aufgrund von Krankheit
oder TV-Termin. Ich wollte schon die Ärztin wechseln. Hatte auch
deshalb wieder beim uke angerufen. Bin aber geblieben. Ging außerdem
jede Woche weiter zur Reha.
Ich
machte weiter mit mir. Lass meine Haare wachsen und geh zur
Friseurin. Und ins Beauty- Studio. Nägel und Augenbrauen machen
lassen. Alles ohne Probleme. Niemand meckert mich an. Fühle mich da
gut aufgehoben.
Ich
suchte das Amtsgericht auf. Abteilung Vorname Änderung. Ich wollte
schon mal wissen, wie das abläuft. Hätte schon beginnen können,
wollte ich aber nicht. War noch nicht bereit dafür und wollte nicht
am Ende eine Absage bekommen.
Im
Sommer war es endlich soweit. Es ging einen Schritt weiter. Die HRT.
Ich hatte mir einen Endokrinologen in der Spitaler Straße.
ausgesucht. Puh. Damit hatte ich 2 Jahre Alltagstest hinter mir. Der
Austausch der Hormone begann. Männliche raus, weibliche rein. Die
weiblichen, die Östrogene darf ich bis zu meinem Tod nehmen. Ist
leider nicht zu ändern.
Ende
des Jahres passierte mir mal wieder was. Ich stürzte in der U-Bahn
Station Hbf. Nord die Treppen runter, knallte genau aufs knie. Ab zum
Orthopäden. Wieder krank. Kein Rehasport. Erst 3 Wochen später.
Aber nur langsam und umgezogen habe ich mich in der Uni Toilette. Was
mir aber nicht gefiel. Auf Dauer schon gar nicht. Damit konnte ich
nicht mehr an der Wassergymnastik teil nehmen. Ich hatte dann
überhaupt keine Lust mehr zum Sport.
2017
Migräneanfall
Krank
Antrag
auf Vornamensänderung
Gutachtergespräche
Kümmern
um die OP
Fußball
Ging
alles gut mit den Hormonen. Bis ich plötzlich eines Tages
einen heftigen Kopfschmerzanfall bekam. Ich lag zwei Tage im dunkeln
im Bett. Mein Endokrinologe meint, als ich ihm beim nächsten Termin
darauf ansprach das sei normal. Nur kriegen viele das gleich am
Anfang, nicht nach drei Monaten. War klar, das das bei mir anders
abläuft.
Ich
bin auch plötzlich nah am Wasser gebaut. Muss seit dem ich die
Hormone nehme immer wieder weinen. Aus heiterem Himmel sozusagen.
Irgendwie
habe ich mich durch meinem Treppen Unfall und deren Folgen
selber runter gezogen.
Mir
ging es immer schlechter. Ließ mich wieder krank schreiben und ging
wieder zu meinem Arzt in der Tagesklinik. Ein paar Wochen später
ging es wieder in die Tagesklinik als Patientin. Ein großer Fehler,
wie ich später erleben durfte. Es fing mit einem kleinen sieg an.
Ich durfte in die Frauenumkleidekabine. Das Programm war wie die
vorherigen das gleiche. Aber viel mehr Patienten als vor dem Umbau.
Im
April suchte ich das Amtsgericht auf. Ich wollte meinen Vorname
ändern lassen. Ich besorgte alles was ich benötigte und ging wieder
hin und stellte den Antrag. Nach ca 2 Wochen hatte ich schon das
erste Gutachter treffen. Bis zum zweiten dauerte es leider länger.
Bei
beiden waren es lange Gespräche. Am Ende gab es aber keine Zweifel
und die Zustimmung des Amtsgerichts für meinen Antrag.
Danach
ging es los. Nach und nach lies ich alles ändern. Vom
Personalausweis bis zur Geburtsurkunde.
Während
ich auf den zweiten Gutachtertermin wartete, erkundigte ich mich bei
meiner Krankenkasse, was ich für die GaOp alles benötige. Was ich
hatte legte ich schon mal beiseite. Was mir an Unterlagen fehlte,
besorgte ich. Ich schaute mich im Internet um, welche
Krankenhäuser in Frage kamen. Ich besorgte mir einen Termin für ein
Vorgespräch im uke Hamburg. Im Oktober gab ich alles bei meiner
Ärztin ab, im guten glauben, sie vervollständigt den Antrag und
schickt ihn zur Krankenkasse. Mitnichten wie ich im Dezember
feststellen musste. Alles noch mal von vorne. Ende des Jahres hatte
ich alles zusammen und brachte alles zur Krankenkasse. Das warten
beginnt.
Auf
der Arbeit? Naja 2 Kolleginnen haben mir die Freundschaft gekündigt,
mit anderen hatte ich Stress, das ich die Türen zugeknallt habe und
eine Woche nebenan im anderen Büro gearbeitet habe. Seitdem ist erst
mal wieder Ruhe.
Um
wieder Sport zu treiben und um neue Leute kennen zu lernen, habe ich
mich nach einer Fußball Mannschaft umgesehen. Ich bekam den Tipp von
einem schwul lesbischen Sportverein. Fing zwar gut an, war aber nicht
das richtige. Nicht die richtigen Leute. Einige Wochen später
versuchte ich es mit Handball. Bekam nach 3 Trainingstagen eine
Absage per mail ohne das die Trainerin richtig mit mir darüber
gesprochen hat. Was sie will, was ich will. Vielleicht war es auch
einfach nur der falsche Zeitpunkt. Noch zu früh.
Im
August war ich zu einem Modelcasting. Hat mir viel Spaß gemacht.
Zu
der Zeit habe ich angefangen, meine Wohnung aufzuräumen. Alles was
ich nicht mehr gebraucht habe, habe ich weggeschmissen, habe altes
gegen neues ausgetauscht. Ab Oktober, als meine Vornamens Änderung
offiziell war, habe ich für meine Unterlagen neue Ordner gekauft.
Die Ordner hatten die Farbe „Pink“. Hab mir auch viele andere
Bürosachen in Pink gekauft. War für mich mein Zeichen. Für den
Neubeginn.
Ich
fing auch mit dem Schreiben an. Merkte irgendwann, das es mir gut tat
alles von der Seele zu schreiben. Gedichte, Texte, reime und
Geschichten.
Ein
Jahr ist es her, das mich eine aus der Tagesklinik ehemalige
Mitpatientin zum offenen Frühstück mitgenommen hat. Sie hatte mir
immer wieder davon erzählt. Von den Gruppen, zu denen sie ging.
Auch von dem Ärger, den sie mit einer anderen Person hat. Immer
wieder.
Nach
dem dritten mal hat sie mich gefragt ob ich nicht mal mit eine der
Betreuer reden möchte, was ich bejaht habe.
Sie
sprach mit ihrer Betreuerin, die sich wegen eines Termins melden
wollte.
Sie
hatte aber keine Zeit und wollte mich an jemand anders verweisen. Ich
hatte jemand anders im Sinn, die zufällig in diesem Augenblick in
den Raum kam. Jemand, die beim Frühstück neben mir saß und mir
sehr sympathisch war. Jemand, von der ich nicht wusste ob sie
Betreuerin oder Patientin war. Erst als sie rein kam, wurde es mir
klar. Spontan zeigte ich auf sie. Sie hatte Zeit für mich. Wir
verabredeten uns zu einem Gespräch, dem weitere folgen und sie
erzählte mir vom ASP und ob ich mir vorstellen konnte das zu machen.
Ich konnte. Sie erklärte mir was ASP ist. Was es für Angebote gibt.
Was ich machen muss. Wir machten in den folgenden Wochen den Antrag
fertig. Sprachen über das was mich belastet hat. Und was mir noch
bevor stand. Ende des Jahres schickten wir den Antrag ab.
2018
GaoP
Nach
OP
Handballspielen
Therapie
suchen
Depression
geht wieder los
Die
Warterei begann. Wann bekomme ich endlich Post von der Krankenkasse
mit der Zusage? Je schneller die sind, desto eher bekomme ich einen
OP-Termin. Geduld ist eben nicht gerade meine Stärke. Habe sie in
den letzten Monaten verloren. Nach der Arbeit fahre ich zum
Sozialtreff um mit meiner zukünftigen Betreuerin über ASP zu reden,
über den Antrag. Jede Menge Fragen, die ich beantworten muss. Wir
reden über letztes Jahr. Meine Erlebnisse mit Katja, Vor allem über
meine Kolleginnen. So vergeht die Zeit. Ich beginne Donnerstags
Abend zur Kochgruppe zu gehen. Zusammen einkaufen, kochen und essen.
Zusammen heißt, wir Klientinnen (wie wir heißen) und eine
Betreuerin.
Mitte
Januar war es endlich soweit. Der Kostenübernahme wurde zugestimmt.
Ich setzte mich gleich an meinen PC und schrieb eine Mail an meine
zukünftige OP Ärztin. Die Antwort kam am nächsten Tag. Ich werde
im Juni operiert. Die nächste lange Wartezeit beginnt. Der letzte
Abschnitt meiner Transition, die für mich mit der GaOp endet.
Auf
der Arbeit war es einigermaßen ruhig. Oberflächlich betrachtet. Ich
gehe dahin, mach meine Arbeit und gehe nach getaner Arbeit wieder
nach Hause. Wichtiger ist für mich die Zeit nach der Arbeit.
Dienstag und Donnerstag bin ich im Treff und dann an den Tagen, wenn
ich mich mit Steffi, meiner Betreuerin rede. Mein Antrag macht
Fortschritte. Bald können wir ihn einreichen.
Ca.
alle 6 Wochen gehe ich weiter zu meiner begleitenden Ärztin. Bis zur
OP, danach ist dann dort Schluss für mich. Mit der 2. OP ist für
mich der Weg der Transition beendet. Aber bis dahin sind noch ein
paar Tage.
Sozialtreff,
ASP, Ärztin, Von Termin zu Termin jede Woche. Aber es hilft beim
Ablenken. Ich will meine GaOp. Ich will sie so gut wie möglich über-
und durchstehen. Habe gelesen, das einige anschließend Depressionen
bekamen. Ich möchte vermeiden, das ich abstürze.
Im
Mai machen wir einen Ausflug ins Museum nach Harburg.
Zum
Glück schaffe ich es zeitlich, das ich mitfahren kann.
Anschließend
schrieb ich einen Artikel über unseren Ausflug für unser B+S
Magazin, den ich Euch nicht vorenthalten möchte:
Bericht
über den Ausflug ins Archäologische Museum Harburg am 25.05.18,
geschrieben von Alexandra Boisen
Zwei
Millionen Jahre Migration – die neue Ausstellung im Archäologischen
Museum Hamburg
“Zwei
Millionen Jahre Migration” ist der Titel der Sonderausstellung, die
das Archäologische Museum Hamburg vom 13. April bis 2. September
2018 zeigen wird. Die Ausstellung verdeutlicht mit einem Blick in
unsere früheste menschliche Entwicklungsgeschichte, dass Mobilität
und Migration selbstverständliche Bestandteile des Menschseins und
kein modernes Phänomen sind. Die Spurensuche im Museum führt dabei
von den Wurzeln des Menschen in Afrika über Asien bis nach Europa.
Wie begann die Reise des Menschen, welche Ursachen, Mechanismen und
Auswirkungen stehen hinter dem Phänomen der Migration? Die Schau
lädt dazu ein, diese Fragen zu ergründen.
Als
Teilnehmerin des Ausfluges wurde ich gebeten einen Bericht über
unseren Ausflug zu schreiben. Ich komme der Bitte gerne nach und
versuche es.
Wir
haben uns alle Freitag morgen im Treff zum Frühstück getroffen.
Gegen 12.15 Uhr sind wir (9 Klienten plus 2 Betreuer) mit 2 Autos
aufgebrochen.
Das
Museum befindet sich in der Nähe vom Harburger Rathaus. Die
Sonderausstellung war im Harburger Theater untergebracht. Mit der
Eintrittskarte kann man aber auch anschließend das Museum selbst
besuchen und muss nicht noch mal bezahlen.
Der
Raum, in der die Ausstellung untergebracht ist, ist ziemlich klein.
Ich hab es mir größer vorgestellt. Den Raum, bzw. dachte es wären
mehrere Räume. Im Grunde ist es eine kleine Ausstellung. Mit
Schautafeln, die den Weg der ersten Migranten zeigen, mit
Ausstellungsstücken wie Werkzeuge, Knochen und Münzen. Ich war
leider viel zu schnell durch, was auch daran lag, das es sehr stickig
war im Raum. Ich musste raus an die Luft und hab da auf meine
Mitausflügler gewartet. Als alle draußen waren, sind wir rüber zum
Museum gegangen. Im dortigen Gebäude sind 2 Stockwerke. Im oberen
Stockwerk hat man das Hamburger U-Bahnnetz auf den Boden gezeichnet
und mit Ampeln versehen. Wenn man drückt, erzählt einem eine
Stimme, was an der jeweiligen Haltestelle von Archäologen gefunden
wurde. Spannende Idee auf jeden Fall. Im Erdgeschoss geht es um die
Eiszeit. Ein riesengroßes Skelett steht im Raum aber leider kein
Dinosaurier. Eine Schulklasse beim Ausflug war da, mit einer
Führerin. Ich konnte nicht anders und hab mich so dazu gestellt, als
ob ich dazugehöre. Nachdem alle genug gesehen haben und wir uns
draußen getroffen haben, ging es per Auto wieder zurück zum Treff.
Die Hitze machte mir an dem Tag ganz schön zu schaffen. Es war
trotzdem ein schöner Tag.
Ich
habe danach noch weitere Artikel für unser Magazin geschrieben.
Immer, wenn ich zu einem Ausflug mit kommen konnte. Sie liegen im
Treff aus und können kostenlos von allen mitgenommen werden.
Es
wird von Tag zu Tag wärmer. Im Treff sprechen wir über einen
Badeausflug. An einem Dienstag. Wir sprechen darüber wie wir
hinkommen. Ich werde direkt von der Arbeit abgeholt. Morgens ziehe
ich bereits meinen Badeanzug unter meiner Kleidung an. Und packe eine
große Tasche. Sonst bekomme ich alles gar nicht mit. Zum Glück habe
ich pünktlich Feierabend und ich muss nicht lange warten, bis ich
abgeholt werde. Alle in einem Auto fahren wir zum Öjendorfer Park.
Wir gehen Richtung See und lassen uns ein Stück davor nieder, ich
lege meine Decke auf den Boden, packe meine Tasche aus, ziehe meine
Klamotten aus und gehe ins Wasser. Es ist kalt aber ich halte es aus.
Ganz rein gehe ich aber nicht.
Im
Juni war es endlich soweit. Es ging ins Krankenhaus.
Ich
hatte geschafft, was ich wollte. Ich wollte so stabil wie nur möglich
sein, wenn ich ins Krankenhaus gehe.
Montag
war es soweit. Am Nachmittag sollte ich da sein, zur Aufnahme. Ich
stand früh auf, packte meine Sachen alle zusammen. Ich nutzte die
Zeit und vor allem um mich abzulenken und fuhr zum Treff um gemeinsam
mit den anderen zu frühstücken. Meine Taschen nahm ich mit.
Anschließend setzte ich mich mit xxxxx zusammen. Es passierte, was
passieren muss. Die Zeit vergeht im Flug, keine von uns beiden
achtete auf die Uhr. Leider konnte sie mich nicht mit dem Auto
hinfahren. Ich ging zur U-Bahn Hammer Kirche und fuhr alleine hin.
Dienstag
Morgen war es dann endlich soweit.
Nach
acht wurde ich abgeholt. Und los ging es.
Vorm
OP Saal war es beinahe zu ende. Kein Zutritt stand an der Tür.
Konnte
ich mir nicht verkneifen. Kam einfach aus meinem Mund
OP
fällt aus, Patientin hat kein Zutritt.
Dann
wurde ich erst mal geparkt und dann ging es zur Vorbereitung.
2
Monitore gingen nicht, erst beim 2. Katheter ging es. Der
nächste Spruch OP fällt aus, Monitor tot. Oh Patientin tot.
Die
Ärzte warteten schon auf uns. Dann bekam ich meine Narkose und war
plötzlich im Aufwachraum. Kurze Zeit später war ich auch schon auf
meinem Zimmer. Und gar nicht lange, da kam schon Christiane. Es war
ein wunder schöner Nachmittag mit ihr.
Leider
endete er nicht so gut. Bis zum Abend hab ich mich vier mal
übergeben. Musste aus dem Bett steigen, damit die Schwester die
Bettwäsche wechseln konnte. Alle waren überrascht, wie gut mir das
gelang. Also das ich vor dem Bett stand. i
4
Tage bin ich jetzt im Krankenhaus, 10 habe ich noch vor mir. Was ich
schon sagen kann, das Personal ist immer sehr nett zu mir.
Am
Samstag der erste lange gang nach draußen. Mit Rollator.
Die
erste Woche ist rum. Mir geht es den Umständen gut. Anscheinend
besser als vielen anderen. Aber darauf kommt es nicht an. Nur auf
mich.
Alle
wundern sich deswegen aber es soll so sein so normal wie möglich.
Das
richtige wird richtig gemacht, das falsche entfernt.
Heute
soll der Verband gewechselt werden. Wird wohl Nachmittag
Alles
super, meine Ärztin ist zufrieden. Nix geschwollen. Schön zu hören.
Endlich
mal die Haare gewaschen. Sehe ganz ok aus.
Freitag
der 2. Verbandswechsel und am Montag kommt der Katheter raus
Alles
bestens, wenn das am Montag so weiter geht, wenn der Urin-Beutel weg
ist, schrei ich
Montag
kommt der Rest weg. Bin gespannt, was dann passiert, wenn ich muss
Selbst
mit Tablette hab ich wenig geschlafen
Visite
ist durch, wann es losgeht, keine Ahnung.
Gegen
Mittag ging es endlich los. Katheter und Platzhalter wurden entfernt.
Alles
ist endlich raus. Ich bin sehr froh darüber.
Stuhlgang
und blase entleeren funktioniert ganz normal. Dienstag Morgen, 2
Wochen nach der Operation wurde ich wieder entlassen. Ich bekam ein
Geschenk zum Abschluss. Eine Tasche, in der waren einige Stäbe und
eine DVD. Sogenannte Bougierstäbe. Damit sollte ich die nächsten
Wochen jeden Tag bougieren.
In
der ersten Woche lag ich meist im Bett oder auf der Couch. An sitzen
war nicht zu denken. Von Woche zu Woche ging es mir besser. Ich fing
wieder an zu arbeiten. Bei der Kontrolle bekam ich den nächsten
Termin. Ich fragte, wann ich mit Sport anfangen kann. Ich durfte ab
sofort. Worüber ich mich freute.
Bei
der nächsten Kontrolle bekam ich den Termin für die zweite GaOp
mitgeteilt. Ende Oktober wird es sein. Kurz vor dem Geburtstag meines
Vaters. Außerdem das erste Mal, das der 1. November in Hamburg ein
Feiertag ist. Und ich liege da im Krankenhaus. Alle anderen dürfen,
wenn sie denn wollen ins Museum. Dort ist in allen an diesem Tag
freier Eintritt. Lässt sich nicht ändern. Diese Aktion soll es an
jedem Jahr geben. Ich kann es also nächstes Jahr mit machen.
Mir
fällt das Bougieren ziemlich schwer. Ich bekomme dieses Ding einfach
nicht rein. Es ist wie verhext. Hat das was mit der Hitze zu tun, die
in Hamburg herrscht??
2
Wochen, nachdem ich wieder zu Hause bin, steht mir ein Termin bevor.
Ich muss zur Anhörung, wegen meines Antrages auf ASP. Bei dieser
Anhörung kommt es darauf an ob ich ASP in Anspruch nehmen darf oder
nicht. Bisher ist der Sozialtreff in Vorleistung gegangen.
Meine
Betreuerin hat ausgerechnet jetzt Urlaub. Es kommt eine mir bis dahin
nicht bekannte Vertretung mit.
Ich
warte draußen an der Straße auf sie. Sie kommt pünktlich, ich
steige ein und sie fährt los. Es ist ein heißer Tag. Ich schwitze.
Während der Fahrt unterhalten wir uns über die bevorstehende
Anhörung. Ich bin nervös. Wir fahren auf den Parkplatz im Innenhof
des Bezirksamtes. Betreten das Gebäude und stellen fest, das es der
falsche Eingang ist. Wieder raus, zurück zur Straße und dort sehen
wir den Eingang. Wir sind aber trotzdem pünktlich vor Ort. Wir
werden beide begrüßt und rein gebeten. Wir nehmen alle Platz. Wir
sind zu dritt. Ich hatte mir vorher vorgestellt, das da mehrere
Personen sind, die mich befragen werden. Mir ist heiß und es geht
mir nicht so gut. Mir fällt es schwer zu reden.
Vier
Monate später war ich wieder dort. Die zweite OP stand an. Dieses
mal ging es am gleichen Tag hin. Ich saß im Wartezimmer und wartete
und wartete. Ich war dies mal so was von nervös. Mittags fiel die
Entscheidung, Zimmer oder op. Ich hatte Glück und es ging los zum
umziehen und dann ab in den Einleitungsraum. Ich bekam wieder Zugang
und Katheter. Bei der Narkose hat es etwas gedauert bis ich
einschlief und im Aufwachraum wieder aufwachte. Vom Gefühl sofort
aber ca. 2 Stunden waren vergangen. Ich schlief für kurze Zeit
ein, wachte wieder auf. Draußen war es bereits dunkel. Gegen sechs
kam ich auf das Zimmer. Es war dasselbe wie beim ersten mal. Ich ließ
mir meine Tasche geben, holte mein Handy raus und meldete mich bei
meinen Eltern, Katja, Christiane und xxxxx. Danach schlief ich
wieder ein bisschen, hörte mir den HSV im Radio an, der ein
Fußballspiel zu bestreiten hatte und schlief weiter. Am nächsten
Tag, ein Feiertag passierte nicht viel. Ich war müde und kaputt,
stand vormittags einmal auf, ging nach draußen und schaute mir die
Edeka Filiale an und spätnachmittags. Donnerstag morgen kam der
Verband ab. Es sah gut aus, nix passiert. Ich durfte wieder nach
Hause. War ein Gefühl wie, ich hätte auch direkt nach der OP nach
Hause fahren können. Nach zwei Wochen sieht alles gut aus. Mir geht
es besser als beim ersten mal.
Ich
stehe vor dem imaginären Grab der körperlichen Hülle von Martin.
Er
ruhe in Frieden
Mein
4jähriger Marathon geht dem Ende zu. Ich habe die Ziel-Linie
überquert. Bin äußerlich das, was ich schon immer war.
Eine
Frau
Alexa
Nachwort
3
Jahre ist meine „GaOp“ jetzt her. 4 Jahre, das mein „Vorname“
vom Amtsgericht bestätigt wurde. 7 Jahre das ich meinen „Weg“
angefangen habe, zu gehen. 7 Jahre, das ich meinen „Namen“
gefunden habe. Oder hat er mich gefunden? Ich bin froh, das ich ihn
endlich gegangen bin. Ich weiß es natürlich nicht aber ich denke
oft, was wohl wäre wenn ich es wieder nicht getan hätte, wenn ich
mich wieder verleugnet, alles verhindert und verdrängt hätte? Ich
behaupte ja, das es mir dann schlimmer ergangen wäre ich tiefer in
die Depression gerutscht wäre, immer noch drin wäre.
ASP
(Ambulante Sozialpsychatrie)
Ein
Jahr ist es her, das mich eine aus der Tagesklinik ehemalige
Mitpatientin zum offenen Frühstück mitgenommen hat. Nach dem
dritten mal hat sie mich gefragt ob ich nicht mal mit eine der
Betreuer reden möchte, was ich bejaht habe. Sie sprach mit ihrer
Betreuerin, die sich wegen eines Termins melden wollte.
Sie
hatte aber keine Zeit und wollte mich an jemand anders verweisen. Ich
hatte jemand anders im Sinn, die zufällig in diesem Augenblick in
den Raum kam. Jemand, die beim Frühstück neben mir saß und mir
sehr sympathisch war. Jemand, von der ich nicht wusste ob sie
Betreuerin oder Patientin war. Erst als sie rein kam, wurde es mir
klar. Spontan zeigte ich auf sie. Sie hatte Zeit für mich. Wir
verabredeten uns zu einem Gespräch, dem einige folgten und sie
erzählte mir vom ASP und ob ich mir vorstellen konnte das zu machen.
Ich konnte. Sie erklärte mir was ASP ist. Was es für Angebote gibt.
Was ich machen muss. Wir machten in den folgenden Wochen den Antrag
fertig. Sprachen über das was mich belastet hat. Und was mir noch
bevor stand. Ende des Jahres schickten wir den Antrag ab. Im April
des nächsten Jahres bekam ich einen positiven Bescheid. Aus
Zeitmangel war die Anhörung im Juli. Ich hätte den Termin
verschieben müssen, da es mir eine Woche nach meiner Operation nicht
so gut ging. Vom Gefühl her wäre es auch beinahe schief gegangen.
Ich bekam am Ende Ziel Vereinbarungen an denen ich arbeite.
Inzwischen
gehe ich nach der Arbeit zu zwei Gruppen. Literatur und kochen.
Beides macht mir Spaß. Auch an einigen Ausflügen habe ich sehr
gerne teilgenommen und hinter her Berichte geschrieben, die im b+s
Magazin veröffentlicht wurden. Darüber habe ich mich sehr gefreut.
Die
Angebote sind für mich eine gute Gelegenheit andere Menschen kennen
zu lernen.
Ich
bin froh, das ich es gemacht habe. Ich bin so froh über meine
Betreuerin. Ich habe es gut mit ihr getroffen. Ich kann mich
überhaupt nicht beklagen. Wahrscheinlich eher sie über mich. Sie
hat es nicht leicht mit mir. Besonders mit meiner großen klappe. Ich
bin da zu impulsiv, kann nicht vorher darüber nachdenken was meine
Worte beim anderen auslösen. Das tut mir dann leid. Habe mir da in
der Vergangenheit sicherlich das eine und andere mal die Zunge
verbrannt. Sie sagt es mir auch, wenn ich mich wieder verbrenne. Auch
daran muss ich arbeiten.
Sie
hat mich aber toll unterstützt in der ganzen Zeit. Ich habe
mich immer gefreut, wenn wir uns zum reden getroffen haben. Ich kann
mit ihr über alles reden und vertraue ihr.