Alexa – Endlich ist sie da!
von Alexandra Boisen
Hallo Alexa,
Du hast Dich lange verstecken müssen. Zu lange. Das tut mir sehr leid. Nun bist Du aber da. Darüber freue ich mich sehr.
Glaube mir, ich hätte Dich gerne früher raus gelassen. Ich konnte es einfach nicht.
Ich bin sehr froh, das ich es endlich geschafft habe, dich nicht mehr zu verstecken.
Seit dem bist Du Deinen Weg gegangen.
Ich bin sehr stolz auf Dich
Auch, das Du bis zum Ende durchgehalten hast, niemals aufgegeben hast. Trotz aller Schwierigkeiten.
Du bist dabei, dir ein eigenes Leben aufzubauen.
Du hast bereits viel in Deinem Leben geändert, in Deinem Zuhause.
Du machst ganz viele Dinge, die Du früher nicht gemacht hast.
Du spielst auch wieder in einer Mannschaft. Mit Ihnen Handball. Vielleicht sogar als erste Transfrau.
Dir musste keiner sagen, was Du tun solltest. Dass hast Du alles von alleine gewusst.
Es war richtig, wie Du Deinen Weg gegangen bist.
Ich bin stolz auf Dich
Ich liebe Dich dafür
Du hast dich Tag für Tag aus Deiner Depression gekämpft. Nimmst keine Tabletten mehr.
Du bist eine Kämpferin
Ich bin so stolz auf Dich
Ich liebe Dich
Deine Alexa
Es war eine dunkle und stürmische Nacht
Snoopy
Es waren viele dunkle Nächte, die ich durchlebt habe. Ich bin die Alexa. Schon immer. Auch wenn ich auf einen anderen Namen getauft wurde. Auf einen männlichen. „Martin“. Wie meine Eltern darauf wohl gekommen sind? Dabei bin ich doch schon immer „Alexa“ und ein Mädchen. Nur weil da unten was „hängt“ heißt das doch noch lange nicht das ich ein Junge bin.
Geboren bin ich 1965 in Oberhausen / NRW. 1972 zog es meine Eltern zurück in den Norden, wo sie aufgewachsen sind (Lübeck). Wir landeten in Hamburg. Gleich in der Nähe war die Volksschule (2. - 5. Klasse). Von meinem 7. bis zum 11. Lebensjahr. In dieser Zeit fällt meine älteste Erinnerung, Das etwas anders ist. Das ich die falsche Kleidung trug?? Wie gesagt, es war Anfang der 70er. Eine Zeit, kein Vergleich zu heute, 2020. Kinder und Jugendliche haben es heute definitiv leichter, sich zu informieren, über sich, ihren Körper, Fragen zu stellen, die richtigen Personen für ihre Fragen zu finden. Das war damals nicht der Fall. Und so hatte ich keine Ahnung, warum ich immer wieder Mädchenkleidung anziehen wollte. In der Schule hab ich mal heimlich die Jacken der Mädchen angezogen. Als ich draußen war und alle anderen im Klassenzimmer. Entweder flog ich raus grins oder ich musste einfach auf Toilette. Erst als ich eigenes Geld verdiente (Ausbildung, Werbung austragen usw.) versuchte ich mir eigene Mädchenkleidung zu besorgen. Unterwäsche und Strumpfhosen. Rock bzw. Kleider, das traute ich mir erst viel später. Ich kann mich noch erinnern, das durch meine Mutter, immer die neuesten Quelle Kataloge rumlagen. Die habe ich immer angeschaut, Mich hat mehr interessiert, was Mädchen/Frauen trugen als Jungen. Auch Magazine wie Brigitte und Für Sie habe ich immer gelesen, wenn meine Mutter sie gekauft hat. Magazine für „Männer“ haben mich nie interessiert. Ich könnte nicht mal ein Fahrrad reparieren. Technik war noch nie mein Ding. So gingen die Jahre hin, „Alexa“ hatte nie richtig die Chance, rauszukommen, eins zu werden mit dem Körper. Der andere Teil hat es immer verhindert. Weil er nicht wußte, was da mit ihm geschah, was das war. Ich musste erst die 50 überschreiten, bis ich es zu lies. Bis ich wusste, was und wer ich bin.
Zusätzlich bin ich auch noch halbtaub auf die Welt gekommen. Mein linkes Ohr ist sozusagen tot. Hörvermögen Null. 2 Dinge sind bei meiner Geburt schiefgegangen. Körper und Hörvermögen.
Wer weiß, wie alles gekommen wäre, hätte ich es weiter verdrängt, vor allem, wenn ich auf meine EX gehört hätte, die gesagt hat, Depression ist eine Erfindung, die gibt es gar nicht. Zum Glück habe ich nicht auf sie gehört. Zum Glück habe ich auf „Alexa“ gehört und sie machen lassen, als sie wieder raus nach „draußen“ wollte. Das erste Anzeichen dafür war das Wochenende im Mai 2013 in Bad Segeberg. Konzert mit Peter Maffay. Meine EX und ich haben dort in einem Hotel übernachtet und sind bis Sonntag geblieben. Samstag und Sonntag spielte außerdem David Garrett am Kalkberg. Samstag war dort Flohmarkt. Meine damalige Freundin und ich haben uns haben uns die Stände angeschaut. Mir hatte es ein Stand mit Handtaschen angetan. Eine davon in Pink. Und auf die hatte ich es abgesehen. Wäre ich alleine dort gewesen, hätte ich sie wahrscheinlich gekauft. Der Händler wollte sogar handeln und mit dem Preis runtergehen. Aber das „andere ich“ war wieder stärker. Ich ließ es. Nicht mehr lange nach diesem Wochenende ging es für mich in eine Tagesklinik.
Sommer 2013
Ich bin gerade aus dem Krankenhaus zurück wo ich eine Woche war, wegen meiner Schmerzen im Bein. Eine Woche wurde ich durchgecheckt und nichts haben sie gefunden. Theoretisch bin ich also gesund. Körperlich zu mindestens. Es ist Sommer, ziemlich heiß. Ich packe meine Tasche aus und verteile die Sachen. Plötzlich, ich fasse mich an den Kopf, ein Schmerz im Kopf, mein halber Kopf fühlt sich an als wenn da was drüber gestülpt wird und jetzt drückt. „autsch“, schreie ich. Ich gehe erst mal in die Hocke vor Schmerz. Was ist das denn, frage ich mich. Es dauert ne Weile, dann lässt der Schmerz nach aber der Druck im Kopf bleibt. Er wächst sogar an, ist jetzt im ganzen Kopf zu spüren. Ich gehe in mein Schlafzimmer und lege mich hin. Was kommt noch alles,? Denke ich. Ich war im Krankenhaus, zur Reha, musste mich wochenlang pieksen lassen und keine Besserung. Am nächsten Morgen melde ich mich mal wieder krank, zum Xten mal. Aber solange ich nich weiß, was in meinem Kopf passiert, bleibe ich lieber zu Hause. Aber was nun? Wohin? Wie soll es weitergehen?
Nächster Tag
ich räume auf und schaue einen Stapel Papier durch. Darunter auch Unterlagen vom Rehazentrum als ich vor ein paar Monaten dort war. Ich schaue sie mir an. Und dabei fällt mir was auf bzw. ein, was ich anscheinend total vergessen und verdrängt habe!! Oh man! Dieser Test den wir damals gemacht haben, bei dem ich ganz viele Punkte bekommen habe, zu viele im Grunde und ein Gespräch mit der Therapeutin nach sich zog. Und sie gab mir Adressen. Was hab ich damit gemacht? Vergessen? Hat es nichts gebracht? Ich frage meine Freundin Paula über Whats App. Aber sie weiß es auch nicht. Mist. Ich lege mich auf mein Bett und versuche darüber nach zu denken. Irgendwas war da in der Reha, in dieser Sitzung! Na wird mir schon wieder einfallen. Um mich abzulenken, schreibe ich mit Paula über das Maffay-Konzert, das wir in Bad Segeberg gesehen haben. Wir waren 2 Tage dort und haben im gleichen Hotel wie Maffay übernachtet. Um kein Stress zu haben. Wir sind mit der Bahn hingefahren und Sonntag Vormittag wieder zurück.
Ich schlafe mal wieder schlecht, wache früh auf. Mein Kopf brummt. Als wenn ein Stahlhelm drüber liegt.
Paula schreibt mir gerade, sie hätte für uns beide Karten für das Scorpions Konzert in der O2 World gekauft. Hurra! Ich freue mich. Im Mai nächsten Jahres wird es stattfinden. Aber leider können wir uns am Wochenende nicht sehen, wegen ihrer Kinder. Mist! Was mache ich nun?
Am nächsten Morgen fällt mir ein, was ich vergessen hatte. Ich sollte mir einen Termin bei einem Psychiater holen, Verdacht auf Depressionen. Kein Wunder das ich das verdrängt habe. Aber erst mal ist mein Kopf dran. Ich schaue im Telefonbuch, was es da für Ärzte gibt und finde eine Neurologin, ganz in meiner Nähe. 2 U-Bahn Stationen. Sie hat sogar Termine frei. Glück gehabt. Ich kann nächste Woche schon hin. Bis dahin heißt es aber erst mal wieder warten.
Das Wochenende kriege ich einigermaßen rum. Montag morgen. Mein Kopfdruck nervt mich so was von. Ich hätte gerne einen neuen Kopf. Dienstag ist endlich der Tag. Bei der Neurologin. Ich fahre rechtzeitig los, da ich nich genau weiß, wo die Praxis ist. Nach einigen Suchen hab ich sie gefunden. Und wieder darf ich für bei der Anmeldung einen Zettel ausfüllen mit meinen Daten. Und Krankengeschichte. Dann darf ich zu der Ärztin rein. Sie ist nicht gerade gesprächig. Fracht viel, verschreibt mir Venlafaxin und erzählt mir, wie ich damit beginnen soll, die nächsten 2 Wochen. Und eine Krankschreibung für die nächsten 4 Wochen bekomme ich auch mit. Abends erzähle ich Paula davon. Sie ist nicht so begeistert. Fragt mich was ich da will! Was schon!!! denke ich. Bin sauer auf sie. Glaubt sie, ich bilde mir das ein, was in meinem Kopf ist? In den nächsten Wochen gehe ich nun regelmäßig zur Neurologin, ein CT von meinem Kopf wird auch gemacht. Befund? Alles soweit in Ordnung. Mein Kopfdruck aber bleibt. Inzwischen habe ich gesehen, das im gleichen Haus eine Tagesklinik ist. Ich informiere mich, was das ist und finde heraus, das es Infotage gibt. Zu einem dieser gehe ich hin, beschließe ich. Vielleicht hilft mir das ja weiter. Kopfschütteln wieder bei Paula. Wir streiten deswegen und verärgert mache ich das Telefon aus. Blöde Kuh, denke ich! Ich setze mich auf meine Couch und mache den Fernseher an.. Gleich kommt Fußball. Ich hole eine Flasche Cola aus dem Kühlschrank und lege eine Tüte Chips auf den Tisch. Sitze auf der Couch und verfolge das Spiel.
Wie so oft in den letzten Wochen bleibe ich heute zu Hause, gehe nicht zur Reha, wo ich Mitglied bin, um meine Übungen für meinen Rücken zu machen. Mir geht es nicht so gut, der Druck im Kopf macht mich fertig. Ich liege im Bett, die Decke über meinem Kopf gezogen. Das Radio läuft im Hintergrund ohne das ich wirklich mitbekomme, welches Lied sie gerade spielen. Die nächsten Tage sind auch nicht besser. Endlich ist der Tag gekommen. Ich suche diese Tagesklinik auf um mich über einen Aufenthalt zu informieren. Außer mir sind nicht viele anwesend. 2 ? Therapeuten und 4 Interessierte. Uns wird ne Menge erzählt und die Räume der Tagesklinik gezeigt. Aber wirklich entscheiden konnte ich mich nicht. Wenn man möchte, kann man sich auf eine Warteliste setzen lassen. Ich fahre erst mal wieder nach Hause. Die nächsten Tage sind nicht besser für mich. Besuche bei der Neurologin bringen mich irgendwie nicht weiter. Deshalb entschließe ich mich, in der Tagesklinik an zu rufen und mich auf die Warteliste zu setzen. Ich soll mich jede Woche einmal melden um so zu zeigen, das ich auch wirklich da hin möchte. Was ich dann auch Woche für Woche immer gemacht habe. Irgendwann kam dann der Anruf, mit der Mitteilung, wann es los geht. Ich sollte 10 Euro mitbringen, ein Handtuch, Sportzeug usw. Ach ja und eine Überweisung. Ich machte mich auf dem Weg zur Neurologin um diese zu holen. Dann hieß es warten bis es endlich los geht. Ich wusste ja nicht was auf mich zu kommt. Ich wußte im Grunde nicht viel über diese Krankheit. Heute weiß ich mehr darüber. Das einzige, was ich wußte ist, das ich 6 Wochen jeden Tag dort hingehe. Und Montag, Mittwoch und Freitag anschließend zum Rehasport. Und das sofort. Ich muss also meine Sporttasche immer dabei haben an diesen Tagen.
Wir haben Herbst, wenn ich da wieder rauskomme ist das Jahr rum.
Endlich war der Tag da. Ich hatte mir am Vortag extra den Wecker gestellt, damit ich nicht verschlafe. Ich gehe rechtzeitig los, damit ich nicht zu spät komme. Zum Glück kommtg die U-Bahn pünktlich. Ich habe so genug Zeit und bin rechtzeitig in der Tagesklinik. Am Empfang melde ich mich und muss mich eintragen. Dann darf ich in den 4. Stock fahren, wo sich die Tagesklinik befindet. Dort befinden sich viele Patienten. Ich rief ein „guten morgen“ in die Runde und meldete mich bei den Pflegern. Ich durfte Platz nehmen und erst mal warten. Wieder musste ich was ausfüllen und sollte dann sagen, welche an welchen Gruppen ich teilnehmen wollte. Tja, das war mein Problem. Eigentlich am liebsten keine von denen. Malen konnte ich nich und Ergotherapie bestand aus Handwerkliches, was auch nicht mein Fall war. Und was anderes war nicht vorgesehen. Super Aussichten. Für Mal- und handwerklich Unbegabte wie mich. Am ersten Tag war noch keine Teilnahme vorgesehen und ich sass den ganzen Tag im Gemeinschaftsraum. Die Mitpatienten waren auch nicht mein Fall. Der Raum war proppenvoll und wehe man setzte sich auf einen Platz, der schon besetzt war. Der folgende Dienstag war auch nicht besser. Man durfte zwar später kommen, der Vormittag war für Behörden und Arztbesuche vorgesehen und danach gab es so etwas wie eine Visite. Mehr passierte nicht. Erst am Mittwoch ging es für mich los. Es fing immer mit der Begrüßungsrunde an. Jeder sollte sich vorstellen und sagen, wie es ihm ging. Im Prinzip haben viele 6 Wochen lang jeden Morgen das gleiche erzählt. Da fragt man sich schon, warum sind die da? Ändert sich rein gar nichts? Jede Woche kommen neue Patienten, jeden Freitag verabschieden sich einige. Bedeutet, das alle paar Wochen die Patientin ausgetauscht sind. Ich fing morgens immer mit Sport an. Im Grunde Quatsch, weil ich es ja bereits im Rehazentrum gemacht habe und ich dort viel besser angeleitet wurde als in der Tagesklinik. Die Alternative war Progressives Muskel entspannen (PME). Etwas, was ich in der Reha kennengelernt habe. Etwas, was bei mir irgendwie nicht funktioniert hatte, vielleicht weil mir es keiner beigebracht hatte, sondern es wurde einfach gemacht. Mittwochs gab es Nachmittags immer Ausgang. Da wurden Ausflüge gemacht. Meistens nur nach Billstedt oder Bergedorf. Also nicht allzu weit weg. Mit Begleitung einer oder 2 Pfleger. Dienstages war sozusagen Ruhetag. Wir konnten später kommen, um vorher Zeit zu haben für Arzttermine oder Behördengänge. Nach dem Mittag gab es Visite. Mehr passierte an diesen Tagen nicht. Ich wartete darauf, das ich dran kam. Theoretisch hätte ich auch kurz vorher kommen können und am besten hinter her gleich wieder nach Hause. Mein erster Aufenthalt wurde verlängert und ich blieb bis kurz vor Weihnachten dort.
2014
Coming Out
Tagesklinik
Vorname gefunden
Beginn des Alltagstestes
Begleitende Ärztin
Das 2014 der Start in ein neues Leben war, wußte ich zu dem Zeitpunkt noch nicht. Aber ich fing irgendwie neu an bzw. was zu ändern. Ich war raus aus der Tagesklinik aber noch nicht wieder gesund. Ich wollte langsam wieder anfangen zu arbeiten. Mit der Wiedereingliederung. Mit meinem Arzt aus der Klinik hatte ich zusammen einen Plan erstellt. Am Samstag war ich in der Innenstadt, in den Geschäften stöbern. Darunter auch Deichmann. Außer Schuhe haben sie auch andere Dinge wie z.B. Handtaschen. Und da machte es plötzlich klick bei mir. Draw stand so eine Tasche, wie ich sie vor ein paar Monaten in Bad Segeberg auf dem Flohmarkt gesehen habe. Auch in Pink. Wieder zögerte ich ob ich sie kaufe oder nicht. Ich habe sie aber aus dem Regal genommen, bin damit zur Kasse gegangen und habe sie bezahlt. Und ab nach Hause mit ihr :). In den nächsten Tagen nahm ich mir vor, meine Mitpatientinnen in der Tagesklinik zu besuchen. Als es soweit ist, suche ich mir meinen Nagellack raus, Pink und male meine beiden kleinen Finger damit an. Meine Wertsachen, Schlüssel, Fahrkarte und Ebookreader packe ich in meine Handtasche. Ich freue mich auf meine Mitpatientinnen. Wir wollen uns alle (6) ca alle 4 Wochen reihum treffen. Reihum immer bei einer von uns zu Hause. Mit der U-Bahn fahre ich nach Mümmelmannsberg und gehe zur Tagesklinik. In 20 Minuten bin ich da. Ich steige in den Fahrstuhl und fahre bis ganz nach oben (4. Stock). Ich suche Patricia und Tanya. Im Aufenthaltsraum sind sie nicht. Ich gehe den Flur rauf und schaue in die Räume. Nicht zu sehen. Ob sie auf Toilette sind? Da schaue ich jetzt aber nicht rein. Ich gehe weiter. Am Ende des Flurs finde ich Patricia alleine in einem Raum, stehend vor einer Stafette und beim Malen. Strahlend begrüßen wir uns. Umarmen uns erst mal. Sie freut sich mich zu sehen. Staunend sieht sie meine bemalten Finger und meine Handtasche an. Viel erklären muss ich nicht. :) Ich gucke mir staunend ihr Bild an. Es gefällt mir sehr, wohl wissend auch, das ich nicht so toll malen kann, wie andere. Tanja finde ich nicht an diesem Tag. Nach kurzer Zeit muss ich mich leider wieder von ihr verabschieden, die nächste Gruppe wartet auf sie. Wir verabschieden uns, ich verlasse das Haus und begebe mich zur U-Bahn. Zurück nach Hause. Angekommen, ziehe mich Jacke und Schuhe aus, Ich lege mich auf mein Bett und mache die Augen zu. Bald darauf schlafe ich ein. Stunden später wache ich auf. Fühle mich hungrig aber mir fehlt die Lust, Motivation aufzustehen und mir was zum Essen zu machen. Ich bleibe stattdessen liegen. Verkrieche mich unter der Bettdecke. In ein paar Tagen geh ich wieder zur Arbeit. Der Gedanke daran, macht mich nicht gerade froh. Ich zieh mir die Decke weit über meinen Kopf. Am Freitag gehe ich wieder zur Tagesklinik zum Termin mit meinem dortigen Arzt. Bevor ich auf die Suche nach einem anderen gehe, mache ich lieber mit dem weiter. Bis dahin vertreibe ich mir die Zeit, liege im Bett oder auf der Couch. Ich nehme meine Sportsachen zum Termin mit und fahre anschließend direkt zum Rehazentrum. Meine Reha Übungen machen und außerdem Wassergruppe um 14. Uhr. Darauf freue ich mich. Das macht mir am meisten Spaß. Ab und zu gehe ich die ganze Woche zur Wassergruppe. Auch wenn es irgendwann zu anstrengend wird und ich dann eine Pause einlegen muss. Die Übungen tun meinem Rücken gut.
Anfang Februar ist es soweit. Ich gehe wieder, in Einvernehmen mit meinem Arzt, zur Arbeit. Wir haben einen Wiedereingliederungsplan erarbeitet. Als ich am ersten Tag morgens den Raum betrete und zu meinem Platz gehe ist es, als wenn ich nur mal so drei Tage weg war. Niemanden interessiert es wie es mir geht, wie es mir ergangen ist. Dabei wissen sie, warum ich gefehlt habe, wo ich war. Ich ging also wieder Tag für Tag arbeiten, war froh, wenn die Arbeit zu Ende war und ich nach Hause konnte oder ich fuhr direkt zur Rehaklinik zu den Sportgruppen (Wasser und Gymnastik) und mache meine Übungen. Alle paar Wochen gehe ich zu meinem Arzt (in der Tagesklinik). Wir sprechen darüber, wie es mir geht, wie Kollegen sich verhalten usw. Zur Arbeit trage ich unter meiner Kleidung eine Strumpfhose und einen BH. Es kommt, wie es kommen muss, ich werde darauf angesprochen, streite es erstmal ab. Beim zweiten Mal werde ich von der stellvertretenden Gruppenleiterin angesprochen, wir gehen in einen anderen Raum und reden über die ganze Sache. Ich rede über mich, was gerade mit mir passiert. Dann geht es weiter mit der Arbeit. Tage später möchte man wieder mit mir sprechen.
Dieses mal lasse ich mich erweichen, überreden, vor versammelter Kollegenschaft was zu sagen. Sollte man eigentlich nicht machen, ohne vorher mit dem Betriebsrat zu reden, sich Hilfe zu holen. Aber davon hatte ich damals keine Ahnung. Also stelle ich mich meinen Kolleginnen und erzähle ihnen von mir.
Es hilft alles nichts, ich muss zum zweiten Mal in die Tagesklinik. Mit meinem Arzt verabrede ich, das ich als Frau in die Klinik gehe. Auch wenn mir noch ein Vorname fehlt. Dasselbe Prozedere beginnt, ich stehe auf der Warteliste und muss mich einmal in der Woche melden um so zu zeigen, das ich noch Interesse daran habe einen Platz zu erhalten. Dieses mal dauert es aber nicht ganz so lange, wie beim ersten Mal.
Mai, Die Rockgruppe Scorpions kommt nach Hamburg. Meine Freundin hatte Karten für uns gekauft. Ich sehe sie das erste Mal live. Wir treffen uns am Hauptbahnhof und fahren mit der S-Bahn bis Stellingen. Von dort geht es mit dem Bus-Shuttle zur Halle. Mit vielen anderen Fans. Der Einlass hat bereits begonnen, wir kommen zügig in die Halle. Suchen und finden unsere Plätze. Das Konzert beginnt pünktlich. Die Musik ist ziemlich laut und in meinem Kopf feiert der Kopfdruck von Lied zu Lied eine größer werdende Party. Als Pause ist, gehe ich nach draußen und bleibe dort bis zum Ende des Konzertes. Schade aber ich konnte nicht mehr.
2015
Krankenhaus Bandscheibe
Ich ging jeden Monat zu Sitzungen zu Frau Dr. Lietz. Wir sprachen über das was im Alltag geschah und auf der Arbeit. Von meiner Sozialarbeiterin, Frau lang, bekam ich Kontakt zu arinet, die mir in Gesprächen halfen, mit der Arbeit klar zu kommen. Es gab auch eine große Runde mit mir. Fast jede Woche wurde ich von meiner vorgesetzten zum Gespräch gebeten. Es war immer das gleiche. Meine Kleidung. Angeblich zu kurz usw. Draußen war alles ok, drinnen alles falsch. Das soll jemand verstehen.
Ich war kurz davor, mich wieder in der Tagesklinik zu melden. Es kam anders als ich dachte.
Kurze Zeit später wurde ich aufgrund von Beschwerden im rücken wieder krank. Wurde im ak st. Georg operiert. Bandscheibe. Es wurde was heraus geholt Anschließend ging es wieder zur Reha. Ende des Jahres war mein Alltagstest eigentlich zu ende. Ich hätte mit der hrt beginnen können. Ging aber nicht. Weil Frau Doktor für 2 Monate ausfiel.
2016
Beginn der Hormone
Es ging erst mal so weiter. Termine fielen aus. Aufgrund von Krankheit oder TV-Termin. Ich wollte schon die Ärztin wechseln. Hatte auch deshalb wieder beim uke angerufen. Bin aber geblieben. Ging außerdem jede Woche weiter zur Reha.
Ich machte weiter mit mir. Lass meine Haare wachsen und geh zur Friseurin. Und ins Beauty- Studio. Nägel und Augenbrauen machen lassen. Alles ohne Probleme. Niemand meckert mich an. Fühle mich da gut aufgehoben.
Ich suchte das Amtsgericht auf. Abteilung Vorname Änderung. Ich wollte schon mal wissen, wie das abläuft. Hätte schon beginnen können, wollte ich aber nicht. War noch nicht bereit dafür und wollte nicht am Ende eine Absage bekommen.
Im Sommer war es endlich soweit. Es ging einen Schritt weiter. Die HRT. Ich hatte mir einen Endokrinologen in der Spitaler Straße. ausgesucht. Puh. Damit hatte ich 2 Jahre Alltagstest hinter mir. Der Austausch der Hormone begann. Männliche raus, weibliche rein. Die weiblichen, die Östrogene darf ich bis zu meinem Tod nehmen. Ist leider nicht zu ändern.
Ende des Jahres passierte mir mal wieder was. Ich stürzte in der U-Bahn Station Hbf. Nord die Treppen runter, knallte genau aufs knie. Ab zum Orthopäden. Wieder krank. Kein Rehasport. Erst 3 Wochen später. Aber nur langsam und umgezogen habe ich mich in der Uni Toilette. Was mir aber nicht gefiel. Auf Dauer schon gar nicht. Damit konnte ich nicht mehr an der Wassergymnastik teil nehmen. Ich hatte dann überhaupt keine Lust mehr zum Sport.
2017
Migräneanfall
Krank
Antrag auf Vornamensänderung
Gutachtergespräche
Kümmern um die OP
Fußball
Ging alles gut mit den Hormonen. Bis ich plötzlich eines Tages einen heftigen Kopfschmerzanfall bekam. Ich lag zwei Tage im dunkeln im Bett. Mein Endokrinologe meint, als ich ihm beim nächsten Termin darauf ansprach das sei normal. Nur kriegen viele das gleich am Anfang, nicht nach drei Monaten. War klar, das das bei mir anders abläuft.
Ich bin auch plötzlich nah am Wasser gebaut. Muss seit dem ich die Hormone nehme immer wieder weinen. Aus heiterem Himmel sozusagen.
Irgendwie habe ich mich durch meinem Treppen Unfall und deren Folgen selber runter gezogen.
Mir ging es immer schlechter. Ließ mich wieder krank schreiben und ging wieder zu meinem Arzt in der Tagesklinik. Ein paar Wochen später ging es wieder in die Tagesklinik als Patientin. Ein großer Fehler, wie ich später erleben durfte. Es fing mit einem kleinen sieg an. Ich durfte in die Frauenumkleidekabine. Das Programm war wie die vorherigen das gleiche. Aber viel mehr Patienten als vor dem Umbau.
Im April suchte ich das Amtsgericht auf. Ich wollte meinen Vorname ändern lassen. Ich besorgte alles was ich benötigte und ging wieder hin und stellte den Antrag. Nach ca 2 Wochen hatte ich schon das erste Gutachter treffen. Bis zum zweiten dauerte es leider länger.
Bei beiden waren es lange Gespräche. Am Ende gab es aber keine Zweifel und die Zustimmung des Amtsgerichts für meinen Antrag.
Danach ging es los. Nach und nach lies ich alles ändern. Vom Personalausweis bis zur Geburtsurkunde.
Während ich auf den zweiten Gutachtertermin wartete, erkundigte ich mich bei meiner Krankenkasse, was ich für die GaOp alles benötige. Was ich hatte legte ich schon mal beiseite. Was mir an Unterlagen fehlte, besorgte ich. Ich schaute mich im Internet um, welche Krankenhäuser in Frage kamen. Ich besorgte mir einen Termin für ein Vorgespräch im uke Hamburg. Im Oktober gab ich alles bei meiner Ärztin ab, im guten glauben, sie vervollständigt den Antrag und schickt ihn zur Krankenkasse. Mitnichten wie ich im Dezember feststellen musste. Alles noch mal von vorne. Ende des Jahres hatte ich alles zusammen und brachte alles zur Krankenkasse. Das warten beginnt.
Auf der Arbeit? Naja 2 Kolleginnen haben mir die Freundschaft gekündigt, mit anderen hatte ich Stress, das ich die Türen zugeknallt habe und eine Woche nebenan im anderen Büro gearbeitet habe. Seitdem ist erst mal wieder Ruhe.
Um wieder Sport zu treiben und um neue Leute kennen zu lernen, habe ich mich nach einer Fußball Mannschaft umgesehen. Ich bekam den Tipp von einem schwul lesbischen Sportverein. Fing zwar gut an, war aber nicht das richtige. Nicht die richtigen Leute. Einige Wochen später versuchte ich es mit Handball. Bekam nach 3 Trainingstagen eine Absage per mail ohne das die Trainerin richtig mit mir darüber gesprochen hat. Was sie will, was ich will. Vielleicht war es auch einfach nur der falsche Zeitpunkt. Noch zu früh.
Im August war ich zu einem Modelcasting. Hat mir viel Spaß gemacht.
Zu der Zeit habe ich angefangen, meine Wohnung aufzuräumen. Alles was ich nicht mehr gebraucht habe, habe ich weggeschmissen, habe altes gegen neues ausgetauscht. Ab Oktober, als meine Vornamens Änderung offiziell war, habe ich für meine Unterlagen neue Ordner gekauft. Die Ordner hatten die Farbe „Pink“. Hab mir auch viele andere Bürosachen in Pink gekauft. War für mich mein Zeichen. Für den Neubeginn.
Ich fing auch mit dem Schreiben an. Merkte irgendwann, das es mir gut tat alles von der Seele zu schreiben. Gedichte, Texte, reime und Geschichten.
Ein Jahr ist es her, das mich eine aus der Tagesklinik ehemalige Mitpatientin zum offenen Frühstück mitgenommen hat. Sie hatte mir immer wieder davon erzählt. Von den Gruppen, zu denen sie ging. Auch von dem Ärger, den sie mit einer anderen Person hat. Immer wieder.
Nach dem dritten mal hat sie mich gefragt ob ich nicht mal mit eine der Betreuer reden möchte, was ich bejaht habe.
Sie sprach mit ihrer Betreuerin, die sich wegen eines Termins melden wollte.
Sie hatte aber keine Zeit und wollte mich an jemand anders verweisen. Ich hatte jemand anders im Sinn, die zufällig in diesem Augenblick in den Raum kam. Jemand, die beim Frühstück neben mir saß und mir sehr sympathisch war. Jemand, von der ich nicht wusste ob sie Betreuerin oder Patientin war. Erst als sie rein kam, wurde es mir klar. Spontan zeigte ich auf sie. Sie hatte Zeit für mich. Wir verabredeten uns zu einem Gespräch, dem weitere folgen und sie erzählte mir vom ASP und ob ich mir vorstellen konnte das zu machen. Ich konnte. Sie erklärte mir was ASP ist. Was es für Angebote gibt. Was ich machen muss. Wir machten in den folgenden Wochen den Antrag fertig. Sprachen über das was mich belastet hat. Und was mir noch bevor stand. Ende des Jahres schickten wir den Antrag ab.
2018
GaoP
Nach OP
Handballspielen
Therapie suchen
Depression geht wieder los
Die Warterei begann. Wann bekomme ich endlich Post von der Krankenkasse mit der Zusage? Je schneller die sind, desto eher bekomme ich einen OP-Termin. Geduld ist eben nicht gerade meine Stärke. Habe sie in den letzten Monaten verloren. Nach der Arbeit fahre ich zum Sozialtreff um mit meiner zukünftigen Betreuerin über ASP zu reden, über den Antrag. Jede Menge Fragen, die ich beantworten muss. Wir reden über letztes Jahr. Meine Erlebnisse mit Katja, Vor allem über meine Kolleginnen. So vergeht die Zeit. Ich beginne Donnerstags Abend zur Kochgruppe zu gehen. Zusammen einkaufen, kochen und essen. Zusammen heißt, wir Klientinnen (wie wir heißen) und eine Betreuerin.
Mitte Januar war es endlich soweit. Der Kostenübernahme wurde zugestimmt. Ich setzte mich gleich an meinen PC und schrieb eine Mail an meine zukünftige OP Ärztin. Die Antwort kam am nächsten Tag. Ich werde im Juni operiert. Die nächste lange Wartezeit beginnt. Der letzte Abschnitt meiner Transition, die für mich mit der GaOp endet.
Auf der Arbeit war es einigermaßen ruhig. Oberflächlich betrachtet. Ich gehe dahin, mach meine Arbeit und gehe nach getaner Arbeit wieder nach Hause. Wichtiger ist für mich die Zeit nach der Arbeit. Dienstag und Donnerstag bin ich im Treff und dann an den Tagen, wenn ich mich mit Steffi, meiner Betreuerin rede. Mein Antrag macht Fortschritte. Bald können wir ihn einreichen.
Ca. alle 6 Wochen gehe ich weiter zu meiner begleitenden Ärztin. Bis zur OP, danach ist dann dort Schluss für mich. Mit der 2. OP ist für mich der Weg der Transition beendet. Aber bis dahin sind noch ein paar Tage.
Sozialtreff, ASP, Ärztin, Von Termin zu Termin jede Woche. Aber es hilft beim Ablenken. Ich will meine GaOp. Ich will sie so gut wie möglich über- und durchstehen. Habe gelesen, das einige anschließend Depressionen bekamen. Ich möchte vermeiden, das ich abstürze.
Im Mai machen wir einen Ausflug ins Museum nach Harburg.
Zum Glück schaffe ich es zeitlich, das ich mitfahren kann.
Anschließend schrieb ich einen Artikel über unseren Ausflug für unser B+S Magazin, den ich Euch nicht vorenthalten möchte:
Bericht über den Ausflug ins Archäologische Museum Harburg am 25.05.18, geschrieben von Alexandra Boisen
Zwei Millionen Jahre Migration – die neue Ausstellung im Archäologischen Museum Hamburg
“Zwei Millionen Jahre Migration” ist der Titel der Sonderausstellung, die das Archäologische Museum Hamburg vom 13. April bis 2. September 2018 zeigen wird. Die Ausstellung verdeutlicht mit einem Blick in unsere früheste menschliche Entwicklungsgeschichte, dass Mobilität und Migration selbstverständliche Bestandteile des Menschseins und kein modernes Phänomen sind. Die Spurensuche im Museum führt dabei von den Wurzeln des Menschen in Afrika über Asien bis nach Europa. Wie begann die Reise des Menschen, welche Ursachen, Mechanismen und Auswirkungen stehen hinter dem Phänomen der Migration? Die Schau lädt dazu ein, diese Fragen zu ergründen.
Als Teilnehmerin des Ausfluges wurde ich gebeten einen Bericht über unseren Ausflug zu schreiben. Ich komme der Bitte gerne nach und versuche es.
Wir haben uns alle Freitag morgen im Treff zum Frühstück getroffen. Gegen 12.15 Uhr sind wir (9 Klienten plus 2 Betreuer) mit 2 Autos aufgebrochen.
Das Museum befindet sich in der Nähe vom Harburger Rathaus. Die Sonderausstellung war im Harburger Theater untergebracht. Mit der Eintrittskarte kann man aber auch anschließend das Museum selbst besuchen und muss nicht noch mal bezahlen.
Der Raum, in der die Ausstellung untergebracht ist, ist ziemlich klein. Ich hab es mir größer vorgestellt. Den Raum, bzw. dachte es wären mehrere Räume. Im Grunde ist es eine kleine Ausstellung. Mit Schautafeln, die den Weg der ersten Migranten zeigen, mit Ausstellungsstücken wie Werkzeuge, Knochen und Münzen. Ich war leider viel zu schnell durch, was auch daran lag, das es sehr stickig war im Raum. Ich musste raus an die Luft und hab da auf meine Mitausflügler gewartet. Als alle draußen waren, sind wir rüber zum Museum gegangen. Im dortigen Gebäude sind 2 Stockwerke. Im oberen Stockwerk hat man das Hamburger U-Bahnnetz auf den Boden gezeichnet und mit Ampeln versehen. Wenn man drückt, erzählt einem eine Stimme, was an der jeweiligen Haltestelle von Archäologen gefunden wurde. Spannende Idee auf jeden Fall. Im Erdgeschoss geht es um die Eiszeit. Ein riesengroßes Skelett steht im Raum aber leider kein Dinosaurier. Eine Schulklasse beim Ausflug war da, mit einer Führerin. Ich konnte nicht anders und hab mich so dazu gestellt, als ob ich dazugehöre. Nachdem alle genug gesehen haben und wir uns draußen getroffen haben, ging es per Auto wieder zurück zum Treff. Die Hitze machte mir an dem Tag ganz schön zu schaffen. Es war trotzdem ein schöner Tag.
Ich habe danach noch weitere Artikel für unser Magazin geschrieben. Immer, wenn ich zu einem Ausflug mit kommen konnte. Sie liegen im Treff aus und können kostenlos von allen mitgenommen werden.
Es wird von Tag zu Tag wärmer. Im Treff sprechen wir über einen Badeausflug. An einem Dienstag. Wir sprechen darüber wie wir hinkommen. Ich werde direkt von der Arbeit abgeholt. Morgens ziehe ich bereits meinen Badeanzug unter meiner Kleidung an. Und packe eine große Tasche. Sonst bekomme ich alles gar nicht mit. Zum Glück habe ich pünktlich Feierabend und ich muss nicht lange warten, bis ich abgeholt werde. Alle in einem Auto fahren wir zum Öjendorfer Park. Wir gehen Richtung See und lassen uns ein Stück davor nieder, ich lege meine Decke auf den Boden, packe meine Tasche aus, ziehe meine Klamotten aus und gehe ins Wasser. Es ist kalt aber ich halte es aus. Ganz rein gehe ich aber nicht.
Im Juni war es endlich soweit. Es ging ins Krankenhaus.
Ich hatte geschafft, was ich wollte. Ich wollte so stabil wie nur möglich sein, wenn ich ins Krankenhaus gehe.
Montag war es soweit. Am Nachmittag sollte ich da sein, zur Aufnahme. Ich stand früh auf, packte meine Sachen alle zusammen. Ich nutzte die Zeit und vor allem um mich abzulenken und fuhr zum Treff um gemeinsam mit den anderen zu frühstücken. Meine Taschen nahm ich mit. Anschließend setzte ich mich mit xxxxx zusammen. Es passierte, was passieren muss. Die Zeit vergeht im Flug, keine von uns beiden achtete auf die Uhr. Leider konnte sie mich nicht mit dem Auto hinfahren. Ich ging zur U-Bahn Hammer Kirche und fuhr alleine hin.
Dienstag Morgen war es dann endlich soweit.
Nach acht wurde ich abgeholt. Und los ging es.
Vorm OP Saal war es beinahe zu ende. Kein Zutritt stand an der Tür.
Konnte ich mir nicht verkneifen. Kam einfach aus meinem Mund
OP fällt aus, Patientin hat kein Zutritt.
Dann wurde ich erst mal geparkt und dann ging es zur Vorbereitung.
2 Monitore gingen nicht, erst beim 2. Katheter ging es. Der nächste Spruch OP fällt aus, Monitor tot. Oh Patientin tot.
Die Ärzte warteten schon auf uns. Dann bekam ich meine Narkose und war plötzlich im Aufwachraum. Kurze Zeit später war ich auch schon auf meinem Zimmer. Und gar nicht lange, da kam schon Christiane. Es war ein wunder schöner Nachmittag mit ihr.
Leider endete er nicht so gut. Bis zum Abend hab ich mich vier mal übergeben. Musste aus dem Bett steigen, damit die Schwester die Bettwäsche wechseln konnte. Alle waren überrascht, wie gut mir das gelang. Also das ich vor dem Bett stand. i
4 Tage bin ich jetzt im Krankenhaus, 10 habe ich noch vor mir. Was ich schon sagen kann, das Personal ist immer sehr nett zu mir.
Am Samstag der erste lange gang nach draußen. Mit Rollator.
Die erste Woche ist rum. Mir geht es den Umständen gut. Anscheinend besser als vielen anderen. Aber darauf kommt es nicht an. Nur auf mich.
Alle wundern sich deswegen aber es soll so sein so normal wie möglich.
Das richtige wird richtig gemacht, das falsche entfernt.
Heute soll der Verband gewechselt werden. Wird wohl Nachmittag
Alles super, meine Ärztin ist zufrieden. Nix geschwollen. Schön zu hören.
Endlich mal die Haare gewaschen. Sehe ganz ok aus.
Freitag der 2. Verbandswechsel und am Montag kommt der Katheter raus
Alles bestens, wenn das am Montag so weiter geht, wenn der Urin-Beutel weg ist, schrei ich
Montag kommt der Rest weg. Bin gespannt, was dann passiert, wenn ich muss
Selbst mit Tablette hab ich wenig geschlafen
Visite ist durch, wann es losgeht, keine Ahnung.
Gegen Mittag ging es endlich los. Katheter und Platzhalter wurden entfernt.
Alles ist endlich raus. Ich bin sehr froh darüber.
Stuhlgang und blase entleeren funktioniert ganz normal. Dienstag Morgen, 2 Wochen nach der Operation wurde ich wieder entlassen. Ich bekam ein Geschenk zum Abschluss. Eine Tasche, in der waren einige Stäbe und eine DVD. Sogenannte Bougierstäbe. Damit sollte ich die nächsten Wochen jeden Tag bougieren.
In der ersten Woche lag ich meist im Bett oder auf der Couch. An sitzen war nicht zu denken. Von Woche zu Woche ging es mir besser. Ich fing wieder an zu arbeiten. Bei der Kontrolle bekam ich den nächsten Termin. Ich fragte, wann ich mit Sport anfangen kann. Ich durfte ab sofort. Worüber ich mich freute.
Bei der nächsten Kontrolle bekam ich den Termin für die zweite GaOp mitgeteilt. Ende Oktober wird es sein. Kurz vor dem Geburtstag meines Vaters. Außerdem das erste Mal, das der 1. November in Hamburg ein Feiertag ist. Und ich liege da im Krankenhaus. Alle anderen dürfen, wenn sie denn wollen ins Museum. Dort ist in allen an diesem Tag freier Eintritt. Lässt sich nicht ändern. Diese Aktion soll es an jedem Jahr geben. Ich kann es also nächstes Jahr mit machen.
Mir fällt das Bougieren ziemlich schwer. Ich bekomme dieses Ding einfach nicht rein. Es ist wie verhext. Hat das was mit der Hitze zu tun, die in Hamburg herrscht??
2 Wochen, nachdem ich wieder zu Hause bin, steht mir ein Termin bevor. Ich muss zur Anhörung, wegen meines Antrages auf ASP. Bei dieser Anhörung kommt es darauf an ob ich ASP in Anspruch nehmen darf oder nicht. Bisher ist der Sozialtreff in Vorleistung gegangen.
Meine Betreuerin hat ausgerechnet jetzt Urlaub. Es kommt eine mir bis dahin nicht bekannte Vertretung mit.
Ich warte draußen an der Straße auf sie. Sie kommt pünktlich, ich steige ein und sie fährt los. Es ist ein heißer Tag. Ich schwitze. Während der Fahrt unterhalten wir uns über die bevorstehende Anhörung. Ich bin nervös. Wir fahren auf den Parkplatz im Innenhof des Bezirksamtes. Betreten das Gebäude und stellen fest, das es der falsche Eingang ist. Wieder raus, zurück zur Straße und dort sehen wir den Eingang. Wir sind aber trotzdem pünktlich vor Ort. Wir werden beide begrüßt und rein gebeten. Wir nehmen alle Platz. Wir sind zu dritt. Ich hatte mir vorher vorgestellt, das da mehrere Personen sind, die mich befragen werden. Mir ist heiß und es geht mir nicht so gut. Mir fällt es schwer zu reden.
Vier Monate später war ich wieder dort. Die zweite OP stand an. Dieses mal ging es am gleichen Tag hin. Ich saß im Wartezimmer und wartete und wartete. Ich war dies mal so was von nervös. Mittags fiel die Entscheidung, Zimmer oder op. Ich hatte Glück und es ging los zum umziehen und dann ab in den Einleitungsraum. Ich bekam wieder Zugang und Katheter. Bei der Narkose hat es etwas gedauert bis ich einschlief und im Aufwachraum wieder aufwachte. Vom Gefühl sofort aber ca. 2 Stunden waren vergangen. Ich schlief für kurze Zeit ein, wachte wieder auf. Draußen war es bereits dunkel. Gegen sechs kam ich auf das Zimmer. Es war dasselbe wie beim ersten mal. Ich ließ mir meine Tasche geben, holte mein Handy raus und meldete mich bei meinen Eltern, Katja, Christiane und xxxxx. Danach schlief ich wieder ein bisschen, hörte mir den HSV im Radio an, der ein Fußballspiel zu bestreiten hatte und schlief weiter. Am nächsten Tag, ein Feiertag passierte nicht viel. Ich war müde und kaputt, stand vormittags einmal auf, ging nach draußen und schaute mir die Edeka Filiale an und spätnachmittags. Donnerstag morgen kam der Verband ab. Es sah gut aus, nix passiert. Ich durfte wieder nach Hause. War ein Gefühl wie, ich hätte auch direkt nach der OP nach Hause fahren können. Nach zwei Wochen sieht alles gut aus. Mir geht es besser als beim ersten mal.
Ich stehe vor dem imaginären Grab der körperlichen Hülle von Martin.
Er ruhe in Frieden
Mein 4jähriger Marathon geht dem Ende zu. Ich habe die Ziel-Linie überquert. Bin äußerlich das, was ich schon immer war.
Eine Frau
Alexa
Nachwort
3 Jahre ist meine „GaOp“ jetzt her. 4 Jahre, das mein „Vorname“ vom Amtsgericht bestätigt wurde. 7 Jahre das ich meinen „Weg“ angefangen habe, zu gehen. 7 Jahre, das ich meinen „Namen“ gefunden habe. Oder hat er mich gefunden? Ich bin froh, das ich ihn endlich gegangen bin. Ich weiß es natürlich nicht aber ich denke oft, was wohl wäre wenn ich es wieder nicht getan hätte, wenn ich mich wieder verleugnet, alles verhindert und verdrängt hätte? Ich behaupte ja, das es mir dann schlimmer ergangen wäre ich tiefer in die Depression gerutscht wäre, immer noch drin wäre.
ASP (Ambulante Sozialpsychatrie)
Ein Jahr ist es her, das mich eine aus der Tagesklinik ehemalige Mitpatientin zum offenen Frühstück mitgenommen hat. Nach dem dritten mal hat sie mich gefragt ob ich nicht mal mit eine der Betreuer reden möchte, was ich bejaht habe. Sie sprach mit ihrer Betreuerin, die sich wegen eines Termins melden wollte.
Sie hatte aber keine Zeit und wollte mich an jemand anders verweisen. Ich hatte jemand anders im Sinn, die zufällig in diesem Augenblick in den Raum kam. Jemand, die beim Frühstück neben mir saß und mir sehr sympathisch war. Jemand, von der ich nicht wusste ob sie Betreuerin oder Patientin war. Erst als sie rein kam, wurde es mir klar. Spontan zeigte ich auf sie. Sie hatte Zeit für mich. Wir verabredeten uns zu einem Gespräch, dem einige folgten und sie erzählte mir vom ASP und ob ich mir vorstellen konnte das zu machen. Ich konnte. Sie erklärte mir was ASP ist. Was es für Angebote gibt. Was ich machen muss. Wir machten in den folgenden Wochen den Antrag fertig. Sprachen über das was mich belastet hat. Und was mir noch bevor stand. Ende des Jahres schickten wir den Antrag ab. Im April des nächsten Jahres bekam ich einen positiven Bescheid. Aus Zeitmangel war die Anhörung im Juli. Ich hätte den Termin verschieben müssen, da es mir eine Woche nach meiner Operation nicht so gut ging. Vom Gefühl her wäre es auch beinahe schief gegangen. Ich bekam am Ende Ziel Vereinbarungen an denen ich arbeite.
Inzwischen gehe ich nach der Arbeit zu zwei Gruppen. Literatur und kochen. Beides macht mir Spaß. Auch an einigen Ausflügen habe ich sehr gerne teilgenommen und hinter her Berichte geschrieben, die im b+s Magazin veröffentlicht wurden. Darüber habe ich mich sehr gefreut.
Die Angebote sind für mich eine gute Gelegenheit andere Menschen kennen zu lernen.
Ich bin froh, das ich es gemacht habe. Ich bin so froh über meine Betreuerin. Ich habe es gut mit ihr getroffen. Ich kann mich überhaupt nicht beklagen. Wahrscheinlich eher sie über mich. Sie hat es nicht leicht mit mir. Besonders mit meiner großen klappe. Ich bin da zu impulsiv, kann nicht vorher darüber nachdenken was meine Worte beim anderen auslösen. Das tut mir dann leid. Habe mir da in der Vergangenheit sicherlich das eine und andere mal die Zunge verbrannt. Sie sagt es mir auch, wenn ich mich wieder verbrenne. Auch daran muss ich arbeiten.
Sie hat mich aber toll unterstützt in der ganzen Zeit. Ich habe mich immer gefreut, wenn wir uns zum reden getroffen haben. Ich kann mit ihr über alles reden und vertraue ihr.