Nur
ein Traum?
Hatte
ich nur geträumt? War es Wirklichkeit oder doch nur ein Traum?
Ich
war noch ein Jugendlicher oder junger Erwachsener. Auf jeden Fall
lange her.
Ich
versuche sie jetzt aufzuschreiben. Sie hat etwas mit meiner
Geschichte zu tun. Mit meinem richtigen „Ich“ bzw. „Körper und
Seele“.
Wie
es immer so ist, man geht ins Bett, früh oder spät und schläft
irgendwann ein. Plötzlich geht ein Film los...
Eines
morgens wache ich auf und merke ich bin anscheinend nicht alleine...
Irgend etwas ist da. Aber was?
Langsam
und vorsichtig steige ich aus dem Bett. Verlasse mein Schlafzimmer
und gehe durch die Wohnung. Niemand zu sehen aber das Gefühl nicht
alleine zu sein, das bleibt. Merkwürdig sage ich zu mir und suche
weiter. Plötzlich in meinem Wohnzimmer. Irgendwas oder Irgendwer ist
da. Da sehe ich eine Gestalt, die immer sichtbarer wird. Wer ist das?
„Wer sind sie“, frage ich sie jetzt ganz laut.
„Ich
bin hier, um Dir einen Wunsch zu erfüllen!!“
„Mir?“
„Ja, Dir“. Hm, ich wüsste da so einiges, geht es mir durch den
Kopf.
„Das
meine ich alles nicht“
Oh,
sie liest meine Gedanken.
„Wovon
sprechen Sie“, frage ich direkt?
„Von
Deinem geheimsten Wunsch!! Von Deinen Fragen, wer Du bist. Von Deinen
Ängsten.“
Woher?
Woher weiß sie das?
Ich
weiß viel, spricht sie, Du wirst gleich wieder in Deinem Bett liegen
und schlafen. Und wenn Du aufwachst, wird sich Dein Wunsch für 24
Stunden erfüllen. Nutze die Zeit gut, denn danach ist es wieder
vorbei.
„Für
immer?“
„Das
liegt ganz an dir!!“
„Puh,
wovon redet Sie bloß?“
Ich
liege im Bett und wache gerade auf. Komischer Traum denke ich. Eine
Frau stand im Raum erzählte was von Wunsch erfüllen. Als ich
aufstand und mich im Spiegel erblickte, erschrak ich. Im Spiegel sah
ich eine Frau. Wie kann das sein? Ich bin doch ein Mann! Was geht
hier vor? Was passiert mit mir? Moment!! Mir fiel ein, was die
geheimnisvolle Frau sagte. Meinen geheimsten Wunsch wollte sie mir
erfüllen??? Da kam es wieder aus mir heraus, was ich immer
erfolgreich verdrängt hatte. Nicht zu wissen wer ich bin. Ob Mann
oder Frau. Ich öffnete meinen Kleiderschrank und fand ihn voller
Sachen für Frauen. Wo waren meine, fragte ich mich? Da ich mich ja
anziehen musste wollte ich nicht nackt herumlaufen, stöberte ich den
Schrank durch und suchte mir ein Kleid heraus, das mir gefiel. Die
Frau sagte ja was von 24 Stunden Zeit. Und was dann? Ich wollte
versuchen diese Zeit so gut wie möglich zu nutzen. Ich fand auch
passende Unterwäsche. Zog mich an und betrachtete mich im Spiegel.
Mir gefiel was ich sah. Irgendwie normal, nicht komisch, nicht
schrecklich. Ich guckte nach passenden Schuhen, zog sie an und
verließ meine Wohnung und ging nach draußen.
Es
war warm und die Sonne schien. Ich ging zur U Bahn um in die Stadt zu
fahren. Ich setzte mich in die Bahn und schaute mich um. Viele sahen
mich aber niemand sagte was oder zeigte irgend einen Schrecken. Wie
so lacht keiner? Ich bin verwirrt. In der Stadt angekommen, steige
ich aus und verlasse den Bahnhof. Ich schlendere durch die
Innenstadt. Überall das gleiche. Keiner macht mich an, als wenn ich
schon immer eine Frau bin. Ein schöner Gedanke. Vielleicht ist es so
in dieser Welt? Oder wo auch immer ich jetzt dank dieser Frau bin.
Ich versuche mich dran zu gewöhnen, das es normal ist. Ich betrete
ein Geschäft, nur mit Damenbekleidung. Schaue mich um. Auch hier,
als sei es völlig normal, das ich reinkomme. Ich traue mich aber
(noch) nicht, etwas anzuprobieren. Ich verlasse das Geschäft und
gehe weiter. Da hinten ist ein großes Kaufhaus. Ich betrete es und
fahre in Abteilung mit Damenbekleidung. Ganz schön groß das
Stockwerk. Und was für eine Auswahl. Oh man! Ich kann mich gar nicht
entscheiden wo ich zu erst lang gehen soll. Ich finde einige Kleider,
die mir gefallen, ich nehme sie und gehe zur Umkleidekabine. Vorher
einmal ein und ausatmen und los. Ich ziehe mich aus und probiere die
Kleider an. Sie passen mir. Ich betrachte mich im Spiegel. Mir
gefällt was ich sehe. Ich beschließe die Kleider zu kaufen. Ich
ziehe sie aus und mich wieder an. Ich gehe zur Kasse und bezahle.
Langsam bekomme ich Hunger. Ich verlasse das Kaufhaus und gehe die
Straßen weiter hoch.
Ich
sehe ein Restaurant, betrete es und suche mir einen guten Platz.
Versuche mich zu entspannen. Ich lese die Speisekarte und suche mir
etwas schönes aus. Jemand kommt und nimmt meine Bestellung auf. Ich
atme erstmal tief durch. Mein Essen kommt zügig. Ich werde mit der
Zeit ruhiger. Und lächle auch ein wenig. Die Bedienung war nett zu
mir. Ich esse in Ruhe auf und geniesse den Moment. Ich könnte mich
dran gewöhnen. Ich rufe die Bedienung um zu bezahlen und verlasse
das Restaurant wieder. Ich schlendere weiter durch die Straßen,
komme an einen See und setze mich auf eine Bank. Ich schaue zur Uhr
und mir kommt in den Sinn das es nach 24 Stunden vorbei sei. Nur was
vorbei?, frage ich mich. Und was fange ich jetzt an?, frage ich mich.
Ich spaziere den See entlang. Ich bemerke die Blicke einiger Männer.
Was mir ein Lächeln aufs Gesicht zaubert. Aber es verunsichert mich
irgendwie auch wieder. Ich gehe zur nächsten Bahn und fahre nach
Hause. Irgendwas.... irgendwas is anders, nich richtig?.. ich bin
ratlos.. Mir fällt nichts ein. Mein Blick fällt auf die Uhr. 17.00
Uhr. Läuft mir die Zeit davon? Was passiert ,wenn sie abgelaufen
ist? Was mache ich jetzt nur? Was fange ich mit der Zeit an? Ich
verlasse meine Wohnung wieder. Fahre erstmal wieder mit der Bahn. Zum
Hauptbahnhof. Esse und trinke dort etwas. Setze mich hin und
beobachte die Menschen besonders die Frauen schaue ich mir an. Ich
fühle Unruhe in mir aufkommen. Gehe ziellos hin und her. Die Unruhe
will einfach nicht weichen. Ich beschließe ins Kino zu gehen. Aber
das hilft mir auch nicht. Ich kann mich nicht auf den Film
konzentrieren und ca. nach einer Stunde verlasse ich das Kino wieder.
Es ist jetzt 20.00 Uhr. Nach Hause schlafen? Oder durch machen bis
morgen früh? Ich weiß es nicht. Ich gehe was trinken. Ein Glas und
noch eins. Bevor ich zu viel trinke mache ich mich auf dem Heimweg und
bin gegen 22.00 Uhr zu Hause. Müde falle ich ins Bett.
Der
Radiowecker geht an. Ich schrecke auf und falle wieder zurück. Immer
noch müde stehe ich auf. Im Spiegel sehe ich mich. Einen jungen
Mann. Oh man, was hab ich da bloß geträumt? Ich war eine Frau oder?
Nee zu erst war eine Frau in meiner Wohnung und ich ein Mann und dann
war ich eine Frau. Oh man! Hab ich gestern zu viel getrunken?
ENDE
Nachwort
War
es ein Traum? Oder mein Unterbewusstsein? Waren es Zeichen?
Egal
was es war, ich hab nicht drauf geachtet und auch nicht drauf gehört.
Habe mich weiterhin selbst verleugnet. Bis meine Seele mir
Depressionen geschickt hat. Die wohl immer schwerer geworden wären,
hätte ich immer noch nicht gehört. So sehe ich das heute. Nach 4
Jahren Weg meiner Transition. Vom Mann zur Frau. Von xxx zu
Alexandra. Es war nicht leicht, es war ein langer steiniger Weg. Aber
er hat sich gelohnt.