Mit dieser Geschichte hatte ich 2019 an einem Schreibwettbewerb teilgenommen
Der lange Weg zum Glück
Ein halbes Jahr nach ihrer Hochzeit sitzen Charlie und Marlene in ihrem gemeinsamen Wohnzimmer. Sie reden darüber, wie alles angefangen hat, was sie durchgemacht haben, bis endlich der große Tag gekommen war.
Es begann vor 2 Jahren. Charlie hatte gerade den Weg zu sich selbst begonnen. Nahm bereits Hormone und wartete auf ihre OP. Sie war alleine, denn diverse Freundschaften waren kaputt gegangen, weil niemand sie verstand. Eine Partnerin zu finden, fiel ihr sehr schwer. Sie hatte bereits diverse Aufenthalte in Kliniken hinter sich. War mal leicht, mal schwer depressiv. Sie schlenderte in Hamburg durch die Spitaler Straße. Ihr kam eine Frau entgegen. Charlie stutzte, blieb stehen und drehte sich um. Hm, sagte sie zu sich. Kenne ich die Frau? Und ging weiter. Betrat die Buchhandlung, blieb erst mal stehen und dachte wieder nach, kenne ich diese Frau oder nicht? Und wenn ja, woher? Sie ging weiter rein zu den Krimis. Ihre Gedanken waren aber bei dieser Frau. Sie ging ziellos durch die Buchhandlung, schaute nach rechts und links aber ihre Gedanken waren irgendwo. Sie beschloss nach Hause zu fahren.
3 Tage später musste sie wieder in die Stadt, zur Bank. Auf dem Weg dahin, kam ihr wieder diese Frau entgegen. Wieder stutzte Charlie, wusste nicht so recht ob und woher sie diese Frau kannte. Beide gingen sie aneinander vorbei. Auf dem Nachhauseweg grübelte und grübelte sie. Der Groschen fiel aber nicht. Ob sie mich wohl erkannt hat, grübelte sie.
4 Wochen später, Charlie war wieder in der Stadt, saß in ihrem Lieblingscafé in der Hafencity. Hatte einen Becher mit ihrer Lieblingsschokolade vor sich, schaute durch das Cafe, schaute gerade auf den Eingang, wo in diesem Moment eine Frau hereinkam. Sie traf der Schlag. Sie verschluckte sich und vergoß ihre Schokolade fast über ihr neues Kleid. Ob aller guten Dinge wirklich drei sind, fiel es ihr ein? Sie stand auf und ging direkt zu ihr hin. Jetzt oder nie, dachte sie. Sie sagte Hallo zu ihr, sie kennen sich von irgendwo her, sie wisse nur nicht woher. Die Frau sagte, das sie Marlene hieße und sie wäre ihr auch schon aufgefallen und überlegte woher sie sie kannte. Sie holte sich einen Kaffee und beide setzten sich an Charlies Tisch. Sie stellten sich vor und langsam fingen die Groschen zu fallen.... Marlene?? Die Marlene?? Ja, sagt sie aber du sahst damals irgendwie anders aus oder?? Ja stimmt. Ich sah damals aus wie ein Junge. War aber schon immer irgendwie ein Mädchen. Stimmt, jaaa, jetzt fällt es mir ein. Wie lang ist das her? Zu lange sagt Charlie. Marlene stimmt ihr zu. Charlie erzählte ihr warum sie heute eine Frau sei bzw. schon immer eine war. Weißt Du noch, Marlene damals, das mit uns? Ja, Charlie das weiß ich noch. Hab dich nie vergessen und immer wieder an Dich gedacht. Ich auch an Dich. Marlene staunte und staunte, je länger Charlie erzählte Auch das sie Single sei, erzählte sie. Und was ist mit dir? Fragte sie Marlene. Ich bin zwar nicht verheiratet, lebe aber mit einem Typen zusammen, wo ich gerade überlege, ob ich mich nicht lieber von ihm trennen soll. Lieber heute als morgen, sagt sie noch. Sie quatschten über diesen und andere Männer. Tauschten ihre Handynummmern aus, da Charlie noch eine Verabredung hatte. Abends als sie bereits im Bett lag, kam eine Nachricht von Marlene. Hab mich sehr gefreut dich wiederzusehen. Wann wiederholen wir das? Charlie schläft lächelnd ein. Am nächsten morgen wachte sie auf und antwortete ihr: Am liebsten so schnell wie möglich. Leider musste sie zur Arbeit. Samstag Nachmittag trafen sie sich regelmäßig im Café. Einen Samstag passierte es dann. Marlene näherte sich Charlie, nahm ihren ganzen Mut und gab ihr einen Kuss auf den Mund. Charlie war total überrascht. Sie strahlten beide übers ganze Gesicht. Sie küssten sich wieder und wieder. Spazierten stundenlang Hand in Hand durch den Hamburger Hafen. Bis sie sich trennen mussten. Sie verabschiedeten sich bis zum nächsten mal. Drei Tage später schrieb Marlene ihr eine Mail. Kann mich nicht entscheiden was ich machen soll, dich oder ihn. Charlie bekam einen Schreck. Panik befiel sie, Tränen liefen ihr über das Gesicht. Was nun? War schon alles wieder vorbei? Wie so oft? Wieder alleine?? Am Samstag trafen sie sich wieder. Charlie nahm Marlene in die Arme und sagte ihr leise, das sie nicht mir ihr spielen soll. Sie liebe sie. Sie doch auch, sagte Marlene leise. Sie stehe irgendwie zwischen Euch beiden, sagte sie noch. Und dann noch... Ja?? Liebe ich einen Mann und eine Frau... Damals warst Du ein Junge, heute eine Frau und ich liebe dich, egal was du äußerlich bist. Dann lass uns zusammenbleiben, sagte Charlie zu ihr. Sie kann nicht, sagte sie und ging... Warum nicht, frage ich mich? Mir laufen die Tränen übers Gesicht. Sie fuhr nach Hause und schmiss sich auf ihr Bett. Weinte und weinte. Einige Tage später bekam sie eine Nachricht von Marlene, das sie eine Pause braucht. Sie müsse drüber nachdenken was sie will, ob und wie es mit ihnen beiden weitergehen soll. Charlie drehte in ihrer Wohnung durch, schmiss Sachen durch die Zimmer, schrie laut und wütend. Sie liess den Akku ihres Handy leerlaufen. Ist dadurch erst einmal für niemanden mehr zur erreichen. Ging nirgendwo hin.
Wochen und Wochen vergingen. Keine Nachrichten von Marlene für Charlie. Sie versuchte sie zu vergessen, was ihr aber nicht gelang. Es ging ihr immer schlechter. Sie versuchte sich abzulenken. Was ihr aber misslang. Es sollte nicht sein. Die Liebe ihres Lebens, die richtige Frau, die einzige, die zu akzeptieren schien, das sie eine Transfrau sei. Und keine (Bio-)Frau. Der es egal war, das da unten was war. Was aber bald weg kam. Und trotzdem stand sie alleine da. Wie immer in ihrem Leben.
Die Tage gingen und kamen. Es ging ihr wieder einigermaßen besser. Langsam ging es vorwärts.
Der Tag der OP kam. Sie ging ins Krankenhaus und schickte Marlene eine Nachricht. Es ging alles gut und 2 Wochen später kam sie wieder nach Hause. Als sie die Tür öffnete traf sie fast der Schlag. Überall hingen Luftballons und Schlangen und ein Willkommen zurück Charlie Schild. Ihre Eltern warteten und ? Oh eine Überraschung. Da stand noch jemand. Eine mit der sie überhaupt nicht gerechnet hatte. Marlene. Sie fing an zu stottern.. Was machst du hier?? Sie fielen sich in die Arme. Marlene hatte es nicht mehr ausgehalten. Hatte inzwischen ihren Freund verlassen. Hatte, als sie Charlies Nachricht bekam, mit Charlies Eltern Kontakt aufgenommen und ihnen vorgeschlagen, diese Überraschung vorzubereiten. Seitdem schlief sie hier schon. Ich will nur dich, dich dich, sagten beide gleichzeitig. Charlies Eltern verließen ganz leise die Wohnung. Nun waren sie beide zusammen.
Marlene zog bei Charlie ein. Auch wenn beide von vielen nicht akzeptiert wurden, weil Marlene ihren Mann für eine Frau, die mal ein Mann war, verlassen hatte, gingen sie Hand in Hand durch die Stadt und ihre Straßen und hielten zusammen.
Einige Monate später läuteten die Hochzeitsglocken!!
ENDE
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen